E-Mail an mich #3

Heute einmal wieder ein besonderes Schmankerl aus der Kategorie: E-Mail an mich.

Mir völlig unbekannter Nutzer Z schreibt folgende Nachricht:

Tolles Foto. Respekt.

Und ca. 7 Minuten später:

„Krieg ich jetzt keine Antwort weil du automatisch nicht interessiert bist weil du mich nicht kennst? Ich hab einfach dein Profil besucht. Das war’s, und ich hab Interesse an Oldtimern u. Schönem, ganz allgemein. Daher mein Kommentar. Ich will jetzt nur nicht ein Niemand sein und keine Antwort erhalten. Ok?“

Eva Marie antwortet:

„Sehr geehrter Nutzer Z,
Ihrem Wunsch nach einer Antwort komme ich gerne nach.
Zunächst meinen Dank für die Blumen. Auch wenn dies ein wenig neuzeitlich ausgedrückt scheint, lese ich die Kombination aus „toll“ und „Respekt.“ als Ausdruck der Freude.

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie zum heutigen Zeitpunkt tatsächlich ein „Niemand“ für mich sind, da wir uns noch nicht vorgestellt wurden und Sie es offensichtlich nicht für nötig erachteten, Ihre Nachricht mit einem Absender zu versehen. Aus den gleichen Gründen kann ich keine Aussage darüber treffen, ob ich in irgendeiner Form interessiert bin.
Von automatisch kann hier allerdings weniger die Rede sein, denn alleine die Tatsache, dass mir jemand persönlich nicht bekannt ist, führt nicht zu einer wenn-dann-logischen Sprachlosigkeit oder gar Ignoranz meinerseits.
Sehr viel mehr sprachlos und desinteressiert machen mich allerdings die mangelnden Umgangsformen, die Ihre Nachricht erkennen lässt.Ihre Vorliebe für Schönes und Antikes überrascht an dieser Stelle im Kontrast zu Ihrer Wortwahl umso mehr. Vielleicht sollten Sie dieses Talent des Facettenreichtums tatsächlich weiter kultivieren. Nur wenigen gelingt ein solcher Spagat zwischen unterschiedlichen Stilrichtungen.

Aus der Perspektive einer Frau möchte ich Ihnen gerne einige Tipps mit auf den Weg geben:

  • „Respekt!“ mag jungend-umgangssprachlich ein Kompliment sein, dennoch empfinden viele Synonyme wie „schön“ oder „attraktiv“ als charmanter und aussagekräftiger.
  • Ein einziger Profilbesuch führt nicht automatisch dazu, sich zahlreiche Stufen des Aufbaus einer Kommunikation zu ersparen. Die Damen bekommen Ihren Besuch in der Regel nicht mit, da er virtueller Natur ist.
  • „Ich will kein Niemand sein“ lässt sich tatsächlich besser in einem „ich würde mich gerne mit Dir / Ihnen unterhalten“ oder ähnlichem ausdrücken.
  • Ein „Ok?“ am Ende einer Nachricht ist besser mit einer Grußformel zu ersetzen. Dies führt tatsächlich zu einer wohlwollend-freundlichen Anmutung und weniger zu einem Kommandoton.
  • Generell ist es ratsam, in einer ersten Kontaktaufnahme auf Kommandos zu verzichten, da Sie nicht automatisch davon ausgehen können und vor allem sollten, dass Ihr gegenüber gedient hat oder dem Militärwesen zugeneigt ist.

Ich wünsche weiterhin viel Erfolg!

Mit respektablen Grüßen
EM“
Werbeanzeigen

Kleine Scheibchen Leben

Es ist die Zeit der Rückblicke. Alle Welt blickt zurück. Auf ein Jahr. 12 Monate. 365 Tage Leben.
Ein Großteil der Rückblicke ziehen ein ernüchterndes Fazit. Freude macht sich breit, dass es rum ist mit 2014. Gepaart mit der Hoffnung, dass es in 2015 besser, anders und schöner wird.
Kein neues Phänomen. Schon vor 12, 24 und 48 Monaten bot sich das gleiche Bild.
Ich frage mich tatsächlich: was genau soll sich morgen ändern? Und warum ist genau heute ein Tag, an dem Altes abgeschlossen und Neues begonnen werden soll?

Wollen wir unser Leben tatsächlich von einem mathematischen Konstrukt abhängig machen? Einer 8-stelligen Konstruktion mit zwei Punkten dazwischen, deren 8. Stelle für die nächsten 365 kleinen Lebensscheibchen sich nun ändert?
Bilden wir uns tatsächlich ein, dass diese kleine Veränderung eines Gradmessers für unsere Lebenseinheiten auch nur irgendetwas ändert, nur weil wir darauf warten und eine Uhr anstarren?

Es wäre doch viel schöner, wenn wir unser Leben gleich in die Hand nehmen. Immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass etwas nicht passt. Wer oder was zwingt uns, auf die erneute Veränderung der 8. Stelle zu warten?

Zeit der Stille

Zeit der Stille – so heisst es. Wenn das Stille ist, dann will ich Laut nicht erleben.
Kaum öffnen sich die Türchen des Adventskalenders, verschließen sich die Menschen. Werden unfreundlicher. Rücksichtsloser. Aufgebrachter.
Hektik in den Straßen, niemand kann mehr Auto fahren, alle hetzen von Geschäft zu Geschäft, um schnell noch irgendetwas zu besorgen, irgendetwas zu erledigen.

Überall in der Stadt Weihnachtsmärkte mit Boxen aus denen „Stille Nacht“ scheppert. Fast schon schöne Ironie. Natürlich überfüllt mit Menschen. Menschen, die aus Tassen, die man sonst nur mit Hygienehandschuhen anfassen würde, völlig überteuerten und überzuckerten, lauwarmen Glühwein trinken. Für die gute Stimmung und das richtige Gefühl.

Wo wir schon beim Thema Gefühl sind. Das Fest der Liebe. Durchaus. Niemals herrscht in Haushalten mehr Gefühl, als an Weihnachten. Die ganze Palette gibt es da komprimiert zu erleben.
Aus gesicherter Quelle wurde mir zugetragen, dass die Rate der Stichverletzungen durch Messer, die in die Notaufnahme kommen, niemals höher ist als an den Weihnachtsfeiertagen. Schnittverletzungen. Die wären zu erklären. So drastisch muss es nicht gleich enden, aber es ist kaum verwunderlich, dass sich diese ganze Anspannung, Hektik und Raserei irgendwann entladen muss. Wenn dann 3 bis 10 Familienmitglieder, die sich in der Regel nie alle auf einmal sehen, feststellen, dass es auf dem Höhepunkt des Weihnachts-Count-Downs nichts mehr gibt das vorgeschoben werden kann, nicht mit dem Rest der Familie zu reden.
Schließlich ist es jetzt still. Endlich. Am 24.12. um 16 Uhr am Kaffeetisch. Ruhe. Bis der erste den Mund aufmacht. Auf diesen Moment haben alle gewartet.  Ganz egal, welchen Funken dieser eine, unvorsichtige Mensch in das Familienpulverfass wirft, es geht los.

Sohn:“ was gibt’s denn heut‘ zum Essen?“
Mutter: „Werst dann scho segn. Isst ja eh wieder koana wos vor lauter Platzerl. Den ganz’n Tag steh‘ i scho‘ in da Küch‘.“
Vater: „I hob da ja glei g’sagt, Würschtl reichen….“
Mutter: „hauptsach Wurscht…. an Weihnachten. Soweit kimmt’s no.“

Besinnliche Stille.

Tocher: „Ich geh‘ ins Bad….“
Vater: „A nix – schee gnuag bist. Hilfst besser da Mama!“
Mutter: „Na de brauch‘ i in da Küch ned a no …“

Weniger besinnliche Stille.

Vater: „Ich fahr dann los und hol‘ die Omma ab.“
Mutter: „Des konnst scho macha, aber dann feier‘ i des Jahr in der Garage, des sog i da.“
Sohn: „Ich fahr‘ mit….“

Nur noch Stille. Vielleicht endlich.

Supermarktdialoge

Supermarktkasse. Eine ältere Dame steht mit ihren potenziellen Gütern auf dem Fließband in der Warteschlange. Vor ihrem Kundentrenner – ein herrliches Wort für diese fiesen, abgegriffenen, Plastikdreiecke, um sein jeweiliges Warenrevier abzuzäunen – eine weitere Anhäufung von Gütern, jedoch ohne ihren zukünftigen Besitzer.

Dieser kommt jedoch schon quer durch den Supermarkt angehechtet, quetscht sich unsanft an der Schlage und der älteren Dame vorbei und wirft mit einer ausladend-liebevollen Bewegung zwei Schoko-Adventskalender auf seinen Güterberg.

Der Kunde ist dunkelhaarig, unrasiert und nicht sonderlich adrett gekleidet. Wahrscheinlich reichte auch die Zeit für eine Dusche heute nicht. Was schon einmal passieren kann, wenn man am 2. Dezember aufwacht und keinen Adventskalender hat.

Das Aussehen des künftigen Adventskalender-Besitzer verleitete die ältere Dame offensichtlich jedoch zu folgendem Statement: „Koa Gick und koa Gack, aber umanand hauen! Ollesamt kehrn’s z’ruck, wo´s herkimma!“ – womit sie wohl ausdrücken wollte, dass es dem Herrn an Höflickeit mangele und er doch bitte in seine Heimat zurückkehren möge. Die Antwort: „I mog ned zruck noch Schwabing… überall san Baustellen!“

Quotenfrau

Frauenquote, Männerquote – ich frage mich: warum?

Warum sollen Frauen in Vorstandsgremien sitzen, wenn sie das vielleicht gar nicht wollen? Warum muss alles irgendwie gesetzlich geregelt werden? Viele Frauen entscheiden sich an irgendeinem Punkt gegen den Vorstand und für die Familie oder umgekehrt. Beides geht eben nicht. In der Regel haben wir die Wahl. In modernen Zeiten der Verhütung und der freien Berufs- und Bildungswahl können wir doch werden was wir wollen?
Aber Vorstands-Mama oder „Einfach nur Vorstand, weil ich eine Frau bin“ ist beides nicht ratsam. In beiden Fällen würde zwar der Gesetzeshüter Hurra schreien, die Kollegen das aber alles andere als lustig finden. Wir mochten es doch schon als Kinder nicht, wenn Papa bestimmte, dass die Vanessa (Tochter des Geschäftsfreundes) jetzt bei uns mitspielen darf. Freunde kraft Ansage. Das funktioniert nicht. Und qualifiziert kraft Ansage funktioniert eben genausowenig.
Eigentlich ganz einfache zwischenmenschliche Zusammenhänge.
So wie es realistisch nicht funktioniert, gleichzeitig Drummer und Gitarrist zu sein. In einer Band. Zur gleichen Zeit. Warum werten wir das eine auf und das andere ab? Es wird doch niemand zu irgendetwas gezwungen?
Und nein, wenn ich mich entscheide, einen Hund zu haben, kann ich zwei Wochen später nicht einfach ohne diesen Hund 3 Wochen wegfahren. Dafür gibt es auch keine Urlaubsquote, die für alle gleichermaßen gilt.

Ich persönlich finde: Frauenquoten schaden. Denn sie machen uns kleiner. Sie klingen fast so, als bräuchten wir diese Quote, weil wir es alleine nicht hinkriegen. Dann soll Papa Staat den bösen Männern sagen, dass sie uns mitspielen lassen sollen.
Na, vielen Dank. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es mit den Kollegen so läuft, wenn ich da als Quotenfrau sitze. Und selbst wenn ich es aus eigener Anstrengung geschafft habe, einen wichtigen Job zu haben, werden mir ganz viele das Quotenglück unterstellen, weil Papa Staat das jetzt ja bestimmt.
Mal ganz ehrlich: Das brauchen wir nicht.

Die achte tote Oma

Der Termin ist verabredet. Ich habe ein Studio reserviert, Helfer bestellt, alle Accessoires besorgt und mir Gedanken um ein Konzept gemacht. Stehe Punkt 15 Uhr vorm Studio. Und dann stirbt die Oma. Wie so oft. Fast tut es mir Leid, wie viele Omas täglich sterben müssen, um sich aus Terminen rauszureden. Es gibt tatsächlich Notfälle, Unfälle und unschöne Zwischenfälle. Und ein Todesfall in der Familie ist so einer und damit ist nicht zu spaßen. In diesem Fall habe ich jegliches Verständnis und der oder die Betroffene mein herzlichstes und aufrichtiges Beileid. Wenn aber bei einigen Leuten zum achten Mal die Oma das zeitliche segnet, empfinde ich das mehr als dreist und auch tatsächlich ein wenig feige. Denn wäre es nicht viel ehrlicher einfach anzurufen und zu sagen: „Hey, ich hab heute keinen Bock?“ oder „Ich hab eine tolle neue Option, wie ich heute meine Zeit verbringe?“ oder auch „Ach weisst Du, ich bin grad einfach zu faul um rauszugehen?“ Das würde allerdings einiges an Mut erfordern und vielleicht sogar an der eigenen Glaubwürdigkeit oder Zuverlässigkeit kratzen. Die tote Oma erfüllt hingegen ganz viele Funktionen auf einmal. Denn plötzlich ist derjenige, der versetzt wird in der Situation, jegliches Verständnis aufzubringen und sich nicht mehr ärgern zu dürfen. Nein, er muss sogar noch Beileid zollen (was im Falle einer tatsächlich verstorbenen Oma absolut selbstverständlich ist). Zudem ist man mit einer toten Oma fein raus, weil mal ja „ach so gerne gekommen wäre, nun aber durch höhere Mächte verhindert“ ist. Die tote Oma ist absolut unantastbar und es kann auch nicht passieren, dass einem der Organisator vielleicht sogar noch entgegen kommt und einen späteren oder einen Ersatz-Termin anbietet. Man ist raus. Sofort. Und man kann sich sicher sein, dass niemand enttäuscht oder böse ist und unangenehme Frage nach dem Warum stellt. Oder sogar noch ein Ausfall-Honorar fordert. Denn das wäre pietätlos. Schließlich ist man mit der toten Oma ja schon belastet genug. Allerdings empfinde ich es persönlich als pietätlos, die eigene Feigheit oder Unzulänglichkeit hinter dem fiktiven Tod eines geliebten Menschen zu verstecken, denn auch in modernen Patchwork-Familien ist das Kontingent an Omas irgendwann erschöpft.

Blaue Doppelhäkchen und andere Katastrophen

Blaue Doppelhäkchen – voher waren sie grün. Derzeit in aller Munde, weil What’s App nun anzeigt, ob die Nachricht gelesen wurde, die wir losgeschickt haben. Gelesen ist relativ. Die Häkchen sagen nur: die Nachricht wurde auf irgendeinem Endgerät angezeigt. Ob die Augen tatsächlich auf dem Gerät waren, ob die Nachricht nur überflogen, gelesen, für später hinterlegt oder tatsächlich verstanden wurde? Ganz egal.

Blaue Häkchen kann allerdings bedeuten: „Ha, sie hat’s gesehen und antwortet nicht!“ Das birgt ein riesiges Potenzial an Gründen für Zickigkeit und interhumanitäre Dramen, falls wir uns welche konstruieren wollen. Denn es kann eine Menge hineininterpretiert werden, in diese Häkchen, die sich blau färben aber eine sofortige Antwort missen lassen. Ist sie sauer? Ignoriert sie mich? Vielleicht hat sie was besseres zu tun? Ich bin ihr vielleicht gar nicht Wert, dass sie sich mit mir befasst? Hach, fast mag ich sie, die blauen Häkchen und ihre Macht.

Was mir daran schleierhaft bleibt: warum regen wir uns auf, wenn unsere Nachrichten gelesen werden oder noch schlimmer, wenn angezeigt wird, ob wir eine Nachricht einer anderen Person gesehen haben? Kommunizieren wir nicht deshalb, dass unsere Nachrichten irgendwen erreichen?
Was uns diese blauen Häkchen allerdings tatsächlich nehmen ist eine Option auf eine Ausrede: Für den Fall, dass wir einfach so tun wollen, als hätten wir die Nachricht niemals gesehen.

Aus meiner Sicht ist das Problem tatsächlich keines. Denn: In einer realen Unterhaltung kommt die Nachricht in der Regel ja auch an, sobald sie ausgesprochen wurde. Ohne Häkchen. Und es ist uns jederzeit freigestellt, eine Antwort zu geben.
Schlimmer ist doch tatsächlich die Erwartungshaltung die hinter diesen blauen Häkchen steht. Dass unser Gegenüber zu jederzeit erwartet, dass wir zusammen mit oder ohne blaue Häkchen sofort eine irgendwie geartete Reaktion senden. Ganz egal ob wir gerade essen, in der Badewanne liegen, mit dem Bus fahren, etwas arbeiten oder uns mit anderen Menschen unterhalten.

Mir persönlich sind blaue, grüne oder gelbe Häkchen egal. Ich lese meine Nachrichten, wenn ich Zeit dafür und Lust darauf habe und mit Antworten halte ich es genauso. Es ist in der Regel so, dass meine blauen Häkchen ohne sofortige Antwort keine Ignoranz bedeuten. Sondern Respekt. Weil ich eben nicht zwischen zwei Bushaltestellen oder zwei Pfannkuchen eine lapidare Antwort zurückschicken will, sondern mir in manchen Fällen Zeit für die Antwort nehmen möchte.
Oder ich rufe sogar an. Was leider die Häkchen nicht umfärbt. Aber das kommt sicherlich noch.