Der Gelbwurst-Effekt

Ein Kunde vor 14 Tagen: „wo stehen wir?“ (ganzer Inhalt der Mail – kein guten Tag, kein Auf Wiedersehen, kein Gruß, kein Nichts.)
Ich: … „diesbezüglich erwarte ich Ihr Feedback“ … (Auszug aus meiner Nachricht, Kunde hat seit 3 Wochen nicht auf meine Konzepte reagiert – er sollte sich zwischen 3 Varianten entscheiden)
Kunde: „dann schicken sie’s halt nochnmal“ (ganzer Inhalt der Mail – kein guten Tag, kein Auf Wiedersehen, kein Gruß, kein Nichts.)
Also sende ich meine Mail nochmal. Natürlich mit Guten Tag, mit frohen Wünschen und einem Auf Wiedersehen.
Kunde: „schau ich mir an.“ (ganzer Inhalt der Mail – kein guten Tag, kein Auf Wiedersehen, kein Gruß, kein Nichts.)
Stille. Zwei Wochen vergehen.
Heute der Kunde: „wo stehen wir?“ (… ? … )

Immer wieder schleicht sich die Frage in meinen Kopf, warum wir mit Zauberwörtern immer sparsamer werden.
Meine Oma brachte mir schon bevor ich richtig laufen konnte bei, dass man sich für die Scheibe Gelbwurst an der Wursttheke (für die Veganer unter uns: die Karotte am Gemüsestand) mit „Danke“ erkenntlich zeigt. Vorher durfte ich nicht abbeissen. In der Apotheke das gleiche Bild. Wollte ich einen Traubenzucker geschenkt bekommen, musste ich auf die Taschenablage klettern, mit großen Augen gucken und „Bitte“ sagen. Aber erst dann, wenn der Apotheker nicht mehr im Gespräch war. Hat immer funktioniert. Und genau diese Erziehungseffekte sollten doch gewirkt haben? Nicht dass ich heute durchgängig noch Gelbwurst oder Traubenzucker geschenkt bekomme (manchmal aber doch).

Vielleicht sende ich meinem Kunden eine Scheibe Gelbwurst in der Hoffnung, dass alte Gewohnheiten reaktiviert werden können.