Beziehungsweise: Das Änderungsphänomen

Warum verlieben wir uns erst und fangen dann sofort an, an unserem Partner herumändern zu wollen? Hätten wir vielleicht doch lieber einen Partner-Baukasten und geht es uns gar nicht um die Person? Welches Phänomen steckt hinter diesem weit verbreiteten Verhaltensmuster?

Eine Suche bei Google zum Thema „Wie kann ich meinen Partner ändern?“ bringt über 40 Mio. Suchtreffer.

Es scheint ein großes Thema zu sein. Vor allem wir Frauen sind weit vorne, wenn es darum geht, gleich mal Hand an die plötzlich ungeliebten Gewohnheiten unseres Partners zu legen.

Nach dem Tod der ersten Schmetterlingen geht’s los

Natürlich passiert das meist nicht unmittelbar beim ersten Date. In der verliebten Phase zu Anfang einer Beziehung finden wir alles süß oder cool. Seine Macken sind besondere Eigenarten und machen ihn speziell. Nach einiger Zeit geht uns aber alles nur noch auf den Geist oder wir finden, schlimmer noch, Verhaltensweisen und Angewohnheiten sogar peinlich.

„72 Prozent aller Frauen wollen ihre Partner gern verändern, doch 90 Prozent der Männer lehnen dies ab.“
Schreibt Dr. Wolfgang Krüger in seinem Buch
So gelingt die Liebe, auch wenn der Partner nicht perfekt ist„.

Warum die Frage nicht auch den Herren der Schöpfung gestellt wurde, wird an dieser Stelle leider nicht erörtert. Wahrscheinlich gilt das „ändern-Wollen“ auch für den jeweils anderen Part in der Beziehung. Dass sich 90 Prozent der vom Änderungswunsch Betroffenen aber lieber nicht verändern wollen, überrascht nicht weiter. Denn wenn sie es gewollt hätten, hätten die meisten es wohl schon getan.

Wie reagieren wir auf das Ändern-Wollen?

Christian Thiel, Single- und Partnerschaftsberater aus Berlin, hat eine ziemlich radikale Meinung zum Thema. Er propagiert: „Beziehung ist Gift für die Individualität.“ Wahrscheinlich hat er damit gar nicht so Unrecht, wenn wir von der Änderungswut als Urzustand ausgehen. Andererseits wollen wir die Beziehung ja offensichtlich doch. Wenn wir uns jedoch nun gegenseitig auf Dauer in unserem Ist-Zustand weniger mögen oder uns sogar auf die Nerven gehen, haben wir drei Möglichkeiten: Trennung, Widerstand oder Anpassung.

Trennung wollen wir an dieser Stelle einmal außer acht lassen. Denn wenn eine Trennung ins Haus stünde, wäre der Änderungswunsch nicht länger dringlich.

Widerstand oder einfach anpassen?

Widerstand ist eine natürliche Reaktion auf Kritik, wenn wir einen Funken Selbstbewusstsein in uns tragen. Ungern werden wir persönlich angegriffen. Vor allem Sätze, die „immer machst du“, „nie tust du“ oder „du könntest ruhig mal“ beinhalten, lassen uns augenblicklich innerlich die Messer wetzen. Eine dauerhafte Ablehnung wird in unserer Beziehung also vor allem zu einem führen: Schlechter Stimmung. Es bewegt sich erst mal nichts, außer die Gemüter.

Anpassung ist dagegen der Weg des geringsten Widerstands. Wenn der Partner oder die Partnerin das von mir will, mache ich das eben so und alle sind zufrieden. Erst einmal nicht der schlechteste Ansatz, ist man harmonieliebend. Jedoch werden wir davon auf Dauer wahrscheinlich sehr unglücklich. Jedes ungewollte Zugeständnis drückt uns weiter in eine Ecke, in der wir im Grunde gar nicht sein wollen. Damit kreieren wir gleich die nächste Baustelle: Sich eingeengt fühlen.

Wir bezahlen die Beziehung, die wir behalten wollen mit Zugeständnissen, die wir eigentlich nicht machen wollen.

Die Lösung sind wir selbst

Eigentlich ist das alles ganz einfach: Es ist nicht unsere Aufgabe, an anderen herumzuändern. Viel wichtiger ist es doch, einen Weg zu finden, wie sich beide Ansichten mit möglichst geringen Störgeräuschen vereinen lassen. Vielleicht wäre es dazu sinnvoll, einmal den Blick auf sich selbst zu richten. Wir sollten uns fragen: „Warum nervt mich das?“ Vielleicht kann unser Partner gar nichts dafür, vielleicht sind wir es, die etwas verändert haben oder uns plötzlich aus ganz anderen Gründen nicht zufrieden fühlen?

Experte Dr. Krüger empfiehlt: „Gehen Sie … eine Partnerschaft mit sich selbst ein, finden Sie Ihre innere Mitte. Dann spüren Sie, wie ein tiefgreifender lebendiger Prozess beginnt, der Sie und Ihre Partnerschaft umfassend verändert.“ Er geht sogar soweit zu sagen, dass sich 90 Prozent aller Beziehungen so verbessern. Wir hätten also wirklich etwas gekonnt.

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Musik.

Es entsteht ganz leise. Ganz tief innen. Aus verhaltenen Geigentönen in deinem Hinterkopf braut sich ein bombastisches Paukengewitter zusammen, das ganz tief in die Magengegend trifft. Bässe, die die Lunge erzittern lassen. Melodien und Schwingungen, die dein ganzes Denken für sich einnehmen.

Ein Gefühl, das jetzt beschlossen hat, Regie zu führen. Unaufhaltsam sucht es sich seinen Weg nach draußen.

Ein kleines Zwinkern reichte aus, um es aufzuwecken. Ein Blick. Haare, die sich von einem Luftzug schubsen lassen. Ein kurzer Hauch eines Geruchs in der Nase.
Ganz leise brechen innere Mauern. Bröckeln kontinuierlich vor sich hin, bis sie nichts weiter sind als Sand. Bis sie den Weg frei machen für dein schönstes Lächeln.

Gegenüber Augen in denen du dich verlierst. Hände, deren Berührungen du kennst, bevor du sie spürst. Haare, deren unbekannter Geruch dir so unendlich vertraut ist. Eine Stimme, die dir imaginäre Gedichte vorliest.

Plötzlich, ganz plötzlich, ist da nur noch Musik und die Vernunft hat Pause.

Der Moment, wenn Geld nicht alles ist

Eine Hochzeit. Nicht irgendeine, sondern eine dieser Sorte, auf der gezeigt wird, was man hat.
Kommentar des (vor der Vermählung weniger betuchten) Bräutigams zu späterer Stunde: „Ich fühle mich wie auf einer Marketing-Veranstaltung.“ Das fasst es ganz wunderbar zusammen.

Die Location: nicht irgendeine. Tegernsee muss es sein. Ein 5 Sterne Hotel dient als Residenz. Später wird man dann hoch über dem See feiern. Gediegen. Nicht dass über irgendjemanden später irgendetwas gesagt werden könnte. Eigentlich geht es eher darum, die perfekten Fotos für’s Album zu haben. Drei wuselige Fotografen wurden dafür engagiert.
Mein Job: die Braut aufhübschen. Daher darf ich dem Spektakel schon ab 9 Uhr beiwohnen. Nicht dass ich nicht gerne Bräute zurecht mache. In der Regel ein formidabler Job. Umgeben von so viel Glück, Liebe und nervöser Vorfreude. Das meine ich durchaus ernst. Eine (glückliche) Braut kurz vor dem Jawort 90 Minuten im Innersten kennen zu lernen ist wunderschön.

Also packe ich in der Hochzeitssuite meine Utensilien aus. Tonnenweise Haarnadeln. Wasserfeste Wimperntusche. Die Braut stürmt hektisch ins Zimmer. In 3-Minuten-Intervallen zwischen Telefonaten & hektischem hin- und herlaufen, mehr Telefonaten & mehr Hektik und noch mehr Telefonaten & noch mehr Hektik seitens der Braut versuche ich mich in einer spektakulären Hochsteckfrisur mit Schleier und darin, zwei gleiche Augen zu schminken.
Das läuft soweit gut, ich bin abgehärtet. Bis die Brautjungfern auf die Bühne kommen. Bussi, Bussi, Hektik & Telefonate. Armefuchteln, Gequieke und wahnsinnig viel aufgesetzte Freude. Und wie sehr sie der Braut den Ehemann gönnen und sich mit ihr freuen. Es ist fast nicht auszuhalten!
Nach geglückter Frisur und Make-up sitzen die Damen beim Champagner. „Die Visagistin“ (einen Namen bekomme ich nicht) darf auch ein Gläschen haben. Schließlich sieht die Braut jetzt fantastisch aus.

Brautjungfer A: „Stellt Euch das vor, da hat mir mein Mann doch einen Boxter zum Geburtstag geschenkt. Mit Schleife. Der Schlüssel lag einfach auf meinem Bett. Wie süüüüüüüß von ihm.“
Brautjungfer B: „Und mein Mann, meiner führte mich in den Bayrischen Hof zum Brunch und hat mir diesen 10.000 Euro Diamanten gekauft! Ist er nicht toll?“ (Ob der Mann oder der Diamantring gemeint ist, bleibt im Dunkel.)
Brautjungfer A: „Zuckersüß. Er ist wunderbar!“ (Immer noch nicht klar, ob Mann oder Ring.)
Brautjungfer C: „Also ich hatte mir ja diese Hermès-Tasche gewünscht. Ihr wisst schon. Und was kauft er mir zu Weihnachten? Die TASCHE!“
Szenenapplaus und Gejuchze von allen.
Brautjungfer D: „Meinem Schatzi ist es auch wichtig, dass ich immer gut aussehe. Darum darf ich zum Shoppen auch jederzeit seine Kreditkarten verwenden. Ohne Limit natürlich. Unmöglich, wenn ich immer das gleiche trage.“
Brautjungfer B: „Und Du?“
Alle Köpfe wenden sich in meine Richtung.
Meine Antwort: „Mein Mann liebt mich.“

Stille.

Valentinstag.

Noch so ein Wort, bei dem spontan tausende Dinge aus mir heraus plaudern wollen. Bei dem sich sofort alle Haare aufstellen. Wo mein Puls in die Höhe schnellt und ich – wie mein Kater wenn er sich aufregt – anfange mit den Augen zu zittern. Kennt Ihr diese kleinen Hunde, die eigentlich Ratten mit langen Beinen und Babyköpfen sind? Aber irgendwie doch unglaublich niedlich? Die zittern auch permanent. Und ich glaube, die tun das nicht vor Kälte…. Ob das nun allerdings mit Valentinstag zu tun hat, wäre zu weit hergeholt. Auch wenn eine dieser unabhängigen Studien das sicherlich hinbekäme.
Im Grunde wollte ich nur bildlich beschreiben, wie es mir bisweilen geht, wenn ich bestimmte Wörter höre.

Zurück zum Valentinstag. Übersetzt: Zwang der Werbe-, Blumen- und Schokoladenindustrie, überteuerte Dinge zu kaufen und sich fürchterlich schlecht zu fühlen, wenn wir das nicht tun, weil das Gegenüber – das einer Art Freuzwang unterliegt – von uns eventuell enttäuscht sein könnte, wenn wir nicht mitmachen. Und das Freuzwang-Phänomen ist meist sogar noch angeheizt durch eine Art sozialen Drucks. Weil es irgendwie doof ist, wenn man auf die Frage „und? Was hast Du zum Valentinstag bekommen?“ mit „nichts“ antworten muss. Mir macht sowas Spaß – diese „och, die Arme“-Gesichter auszulösen. Aber viele lassen sich dann doch Zweifel einreden, ob die Beziehung denn die richtige sei, wenn der Liebste „nicht mal zum Valentinstag“ etwas springen lässt.
Wie bitte?

Ich finde das traurig. Denn was ist ein Partner wert, der mir nur dann eine Blume schenkt, wenn er an jeder Straßenecke, auf jedem Plakat und schon Wochen vorher in allen Medien dazu gezwungen wird? Von dem wir uns nur etwas schenken lassen, um vor unseren Freunden nicht „blöd“ dazustehen?
Es ist doch viel wertvoller, wenn der Liebste ein spontanes Gänseblümchen ausrupft. Eine Zwischendurch-Nachricht schreibt oder seine Kaffeetasse abspült. Wenn die Wärmflasche nach einem langen kalten Tag schon im Bett liegt.
Wenn er mir Sternschnuppen zeigt und wissend lächelt, was ich mir gewünscht habe. Wenn er bei einem Spaziergang durch den Wald die Pflanzen- und Tierwelt erklärt. Wenn in vielen kleinen Momenten ein kurzer Blick aus dem Augenwinkel reicht, um gemeinsam in Lachen auszubrechen. Wenn ich an unvermuteten Orten einen Erinnerungsstein finde. Wenn es extra für mich neue Krokodil-Dokus gibt. Und wenn er, sobald ich wieder dieses Augenzittern bekomme, einfach meine Hand drückt und sagt: „raus damit“. Unbezahlbar.
Das sind meine persönlichen Valentinstage. Die es gar nicht verdient haben, so zu heissen, weil sie doch viel tiefgreifender sind. Und die vor allem nichts mit einem Massenphänomen und mit einem bestimmten Datum gemein haben.

Ich brauche keinen Valentinstag. Und eine Beziehung, die einen Valentinstag braucht, ist nichts für mich.