Fassaden-Sex und gewünschtes Verhalten

Manchmal tut es eben weh. Die editionF brachte heute einen interessanten Artikel zum Thema „schlechter Sex„. Hierbei wird differenziert, dass Männer schlechten Sex schon dann haben, wenn es nicht „perfekt lief“, Frauen hingegen Sex oft schon gut finden, wenn es nicht weht tut. Eine schockierende Aussage. Warum gehen hier unsere Wahrnehmungen und Ansprüche so weit auseinander? Autorin Silvia Follmann bringt es auf den Punkt:

„Frauen werden auch im Alltag dazu erzogen, selbst dann zu suggerieren, sie würden sich wohlfühlen, wenn sie sich nicht wohlfühlen.“

Das fängt beim Tragen von unbequemen Schuhen, die unsere Füße malträtieren an und hört irgendwo bei schmerzhaftem Sex, den wir ertragen und einfach wegatmen, auf. Dazwischen gibt es eine ganze Palette von Erniedrigungen, die wir Frauen körperlich und psychisch über uns ergehen lassen, um einem bestimmten Bild zu entsprechen.

Oft ist es die Angst

Wir haben früh gelernt, uns auf eine Art Tauschhandel einzulassen. Wir tauschen ein Stück Wohlbefinden gegen Bewunderung, Anerkennung, Liebe oder Zuneigung. Manchmal geht die Rechnung sogar auf, weil wir uns mit der gewonnenen Zuneigung wieder wohler oder zumindest „richtig“ fühlen. Meist haben wir aber doch das Nachsehen.

Wahrscheinlich ist der Grund allen Übels die Angst. Angst, nicht gut genug, nicht liebenswert genug, nicht schön genug zu sein. Die Angst, etwas falsch zu machen. Die Angst, belächelt zu werden. Die Angst, jemanden sonst vielleicht zu verlieren. Und, schlimmer noch, die Angst vor dem Alleinsein.

Menschen sind soziale Wesen – wir wollen dazugehören

Vieles fängt schon in der Jugend an. Um zu einer Gruppe zu gehören, machen wir allerhand Blödsinn. Mutproben, um cool zu sein. Alkohol trinken, auch wenn er uns gar nicht schmeckt, nur um dabei zu sein. Rauchen, Kiffen oder schlimmeres, nur um nicht der Looser zu sein.

Sozialer Druck und der Wunsch nach Anerkennung lässt uns oft Dinge tun, die wir für uns alleine auf einer einsamen Insel nicht tun würden.

Die Erfahrung aus diesem Verhalten, bestätigt uns. Denn wenn wir mitmachen, gehören wir dazu. Wir sind cool, bekommen Anerkennung. Wir lernen: Tun wir Dinge, die wir vielleicht nicht mögen, andere aber von uns erwarten, werden wir mehr gemocht.

Das ist zunächst einfacher, weil uns das gewünschte Verhalten vorgelebt oder vorgegeben wird. Wenn wir tun, was wir selbst für richtig halten und womit wir uns vielleicht wohl fühlen würden, besteht die Gefahr, damit auch einmal anzuecken. Und Anecken und Aufmucken ist nicht unbedingt das, was an attraktiven Frauen und potenziellen Partnerinnen üblicherweise gemocht wird. Also ergeben wir uns oft in dieses Muster.

Wir wollen einem Bild entsprechen

Mit all diesen Lektionen im Gepäck machen wir uns auf die Suche nach einem Partner. Natürlich wollen wir für den Auserwählten das bestmögliche Bild abgeben. Also tun wir wieder das, was das allgemein gewünschte Frauenbild verlangt. Rechnen wir uns damit doch die besten Chancen aus.

Wir Quetschen und in HighHeels und viel zu enge Kleider, malen uns die Nägel an. Viele gehen noch weiter. Sie lassen sich die Brüste operieren, gehen dreimal die Woche zu einem Sport, der ihnen überhaupt keinen Spaß macht, aber angeblich einen sexy Body formt oder unterziehen sich quälenden Diäten. Genau aus diesem Motiv heraus findet dann oft der schlechte Sex statt. Wir wollen so sein, wie wir glauben, dass er es von uns erwartet, anstatt auf unsere eigenen Bedürfnisse zu hören.

Unter all den Dingen, die wir tun, aber gar nicht wollen, haben wir uns irgendwann selbst verloren. Wir wissen gar nicht mehr, wer wir eigentlich sind und was wir wollen, unter all der Fassade.

Das rote Kleid ist die bessere Wahl

Wir sollten dringend wieder anfangen auf uns selbst zu hören. Wenn der angeblich Auserwählte uns nur im erwünschten blauen Kleid aber nicht im roten, das uns selbst gefällt, will, will er uns vielleicht einfach nicht. Und wir ihn auch nicht. Daran ändert auch kein schlechter Sex, den wir ihm zuliebe ertragen, etwas. Wenn wir erst einmal lernen, im roten Kleid selbstbewusst zu strahlen, werden wir genug Kandidaten finden, die auch unser echtes Ich attraktiv finden. Und dann haben wir auch die Chance auf guten Sex. Mit ihm und uns selbst.

Denn ganz ehrlich: Lieber erst einmal gar keinen, als Fassaden-Sex.

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Titten von der Stange.

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Darauf hat die Welt gewartet. Ganz sicher. Neue Brüste zu Schleuderpreis. Und heute zittern nicht mal mehr meine Augen. ich weiß gar nicht so genau was ich dazu sagen und wo ich anfangen will. Einerseits so viel, andererseits verschlägt es mir die Sprache.

Natürlich kann ich verstehen, wenn Damen sind mit ihrer Brust unwohl fühlen. Wenn irgendetwas nicht stimmt. Und ich verurteile niemanden, der für sich die Entscheidung trifft, etwas ändern zu wollen. Ich propagiere kein „nimm was Du bekommen hast und halt die Klappe.“ Das ist eine ganz persönliche Entscheidung, die jeder für sich so treffen sollte, wie es sich richtg anfühlt. Es kommt ganz auf die eigenen Situation an. Eine wichtige Entscheidung. Damit bin ich beim Thema. Eine WICHTIGE persönliche Entscheidung. Es geht um den eigenen Körper. Das Wohlbefinden und letzten Endes um unser Selbstbewusstsein. Und nicht um ein paar Aldi-Titten, die man sich aus einer Laune heraus mal gönnt. Weil’s grad Trend ist.

In letzter Zeit sehe ich unzählige Models und Mädchen, die an ihren Brüsten herumschnippeln lassen. An wunderschönen, natürlichen, perfekten Brüsten. Und das verschlimmbessert doch die Lage in den meisten Fällen? Es gibt junge Models, keine 20 Jahre alt, mit perfekten Brüsten. A-, B- und C-Körbchen. Wunderschön. Ein halbes Jahr später hat die Dame umfassbare Atom-Dinger. Von Narben übersät, aber dafür 3 mal so groß. Warum?

Was genau passiert in diesen Köpfen? Machen wir das wirklich für uns selbst? Würden wir es tun, wenn wir ganz alleine vor dem Spiegel stehen und uns betrachten würden? Würden wir einem Chirurgen ein Skalpell in die Hand drücken, uns aufschneiden lassen und uns Plastik unter die Haut schieben lassen? Wirklich?
Oder ist das wieder so ein Geltungs-Ding? Ein Schrei nach Aufmerksamkeit? Geliebt-werden-wollen? Und wenn schon nicht geliebt, dann wenigstens beachtet? Letztens ließ eine Dame sogar bei Facebook die Frage beantworten, ob sie sich die Brüste machen lassen soll. Mir hätte besser gefallen: „soll ich dumm bleiben, oder doch lieber studieren gehen?“

Es macht mich traurig. Denn was ist ein Umfeld, eine Freundschaft, eine Beziehung wert, wenn sie an den Brüsten festgemacht wird? Wenn wir uns tatsächlich einreden, dass mit neuen Plastik-Titten alles lebenswert und gut wird?
Ich glaube ganz fest daran, dass uns ein Freund, der uns mit natürlicher Brust nicht mag, auch mit Plastik-Brüsten nicht plötzlich lieben wird. Und wahren Freunden ist das doch wirklich egal. Und ein Umfeld, das „boah“ schreit, wenn sie neue Plastik-Titten sehen? Darauf kann man doch getrost verzichten. Dann kann ich mir auch ein Clown-Gesicht aufmalen, das bei Facebook posten und alle werden kommentieren „jetzt spinnt sie komplett“, „alles gut mit Dir, Süße?“ und „cool!“. Und schon hab ich meine Aufmerksamkeit und meinen Aufreger.

Auch wenn es „nur“ (sag ich wirklich, nur?) 3.000 Euro sind. Es gibt so vieles, was man damit anstellen kann. Ein Fernstudium beginnen. Mal-, Tanz- oder Sport-Kurse bis ans Lebensende belegen. Ein Fahrrad kaufen. Am Strand liegen. Die ganze Wohnung neu einrichten. Etwas Gutes tun. Ein eigenes Projekt anfangen. Unzählige Möglichkeiten.

Plastik-Titten sind sowas wie Gel-Fingernägel und gebleachte Zähne. Nur schlimmer. Danke an einen weisen Menschen für dieses wunderbare Zitat.