NewWork: Das ist doch nur ein anderes Wort für faul.

NewWork ist derzeit in aller Munde. Meist verächtlich verspottet, gelten Menschen, die teilweise oder ganz im Home Office arbeiten, selbstständig oder auf Projektbasis tätig sind, nur als halbwertige Mitglieder der Arbeitsgesellschaft. Idealisten. Leute, die eben nicht geschafft haben, einen „richtigen Job“ zu bekommen, die „als Ehefrau in Beschäftigungstherapie sind“, die „nach der Babypause den Anschluss verpasst haben“ oder die „irgendwas Kreatives“ machen.

Was macht NewWork eigentlich?

Die smoothe Bezeichnung „NewWork“ beschreibt im weitesten Sinne die Auswirkungen und Konsequenzen der Globalisierung und Digitalisierung auf die Arbeitswelt. Heißt, die aktuellen Entwicklungen und Fortschritte machen es notwendig, auch in der Organisation der Arbeit ein wenig flexibel zu sein. Denn: Wenn man an einem Zahnrädchen dreht, bewegt sich logischerweise auch das andere mit, wenn man nicht die ganze Maschine kaputt machen möchte.

Fast Reading – Für alle, die #keineZeit haben aber dennoch wissen wollen, was Sache ist: Hier gibt es Bergmanns NewWork in aller Kürze.

Der NewWork Gedanke ist vor allem aber auch ein Umdenken und ein Anpassen des Arbeitsalltags auf die Anforderungen neu entstandener Tätigkeitsfelder. Als zentrale Werte von NewWork gelten Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Wir müssen eben ein bisschen fitter im Köpfchen und etwas flexibler in unserem Verhalten werden, wenn wir mit der Digitalisierung mithalten wollen und auch in ein paar Jahren noch einen sinnvollen Arbeitsplatz haben möchten.

NewWork ist daher sehr viel mehr als ein „Ausweichmanöver“ aus der klassischen Arbeitswelt.

Wie der Gedanke von Vertretern der „alten Arbeitsordnung“ oft verspottet wird. Allzu oft wird NewWork Befürwortern Faulheit unterstellt. „Die arbeiten doch nicht richtig“ heißt es oft.

Die falsche Skala

Früher wurde Arbeit mit der Stechuhr gemessen. Der Arbeitgeber verlangte, dass man – außer an Wochenenden, Feier- oder Urlaubstagen – minimum acht Stunden am Stück anwesend ist. Vorgeschriebene Pausenzeiten on top. Wann die beginnen und wann diese enden, schrieb das Unternehmen vor. In vielen Digitalen Jobs grenzt diese Vorstellung jedoch an Wahnsinn. Kreativ auf Knopfdruck? Exakt am Stück zu einer fest definierten Urzeit?
Der Mitarbeiter ist aber da und unter Kontrolle – wird das Unternehmen nun sagen. Ich möchte hinzufügen: Egal, wie produktiv er ist.

Die große Angst vor der Faulheit

Es scheint, als hätten Unternehmen vor allem Angst vor Kontrollverlust. Wer nicht physisch anwesend ist, tut vielleicht ja nichts.

Als lebende Vertreterin der NewWork – jedoch mit einem über 10-jährigen Erfahrungsschatz als Angestellte der „alten Schule“ – kann ich Entwarnung geben: Ich denke heute nicht länger „ich habe ja Zeit bis mindestens 18 Uhr und wenn ich früher fertig bin, kann ich mir davon auch nichts kaufen, außer dass ich das Laufwerk aufräumen, den Pressespiegel sortieren oder mir sonst eine kreative Zeitüberbrückung bis Feierabend suchen muss.“

Ich wage zu behaupten, dass viele Angestellte, die angeblich 12 oder 14 Stunden am Tag „arbeiten“, das nicht wirklich tun. Kein Mensch kann so lange am Stück Bestleistung abliefern. Es gibt dazwischen unheimlich viel Leerlauf, der dann eben im Büro überbrückt wird. Es geht um eine reine Anwesenheitsshow. Wer als letzter geht, gewinnt. Und wer häufig nach 22 Uhr das Büro verlässt wird als „hochmotiviert“ eingestuft und bekommt die nächste Beförderung. Am Ende eine riesige Lebens- und auch Arbeitszeitverschwendung.

Leistung kaufen, statt Zeit mieten

Mein heutiger NewWork Gedanke ist: „Bis zur Deadline werde ich mein Projekt abliefern. In bestmöglicher Qualität.“ Natürlich haue ich ganz anders in die Tasten, als früher. Denn die Skala, mit der ich gemessen werde, ist heute die richtige.

Es geht um Qualität und gute Arbeit und nicht um das Absitzen von vorgeschriebenen Zeitfenstern, egal in welchem Zustand und egal, ob Arbeit da ist oder nicht.

Wenn ich arbeite, gebe ich mir alle Mühe, gute Arbeit abzuliefern, denn ich möchte ja gerne wieder gebucht werden. Das passiert am wahrscheinlichsten, weil ich gute Arbeit mache und nicht, weil ich acht Stunden am Stück an einem Schreibtisch sitzen und lächeln kann, wenn der Chef vorbeikommt. Was ich auch kann, aber ziemlich langweilig finde.

Daher ja, ich organisiere mich und optimiere meine Zeit selbständig. Dafür habe ich die Freiheit, wenn ich meine Arbeit auf die maximal produktive Zeit lege, mir vielleicht zwischendurch einen kleine Auszeit zu gönnen. Im Büro hätte ich diese notwendige Regenerationszeit mehr oder weniger sinnlos vertrödelt, bis der Kopf wieder läuft. Mit freier Zeiteinteilung kann ich etwas lesen, ein Gespräch führen oder Vitamin D in der Sonne tanken. Oder ich kann zum Sport, einen kleinen Spaziergang machen, für ein gesundes Abendessen einkaufen und muss nicht nach Feierabend irgendein Fast-Food hastig in mich reinschlingen und mir noch eine Bandscheibenspritze beim Arzt holen. Das wichtigste daran: Ich kann das ohne schlechtes Gewissen tun, da ich ja keine bezahlte Anwesenheitszeit dafür „vertrödle“.

All das kommt meinen Auftraggebern zugute. Sie bekommen meine produktivste Zeit und mich in kreativstem Zustand. Sie mieten meinen Kopf nicht in einem starren Zeitfenster, egal ob er gerade produktiv ist oder nicht.

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Ich will weder mit Banane noch mit Cordlatzhose ins Netz

Die Huffington Post brachte heute einen sehr interessanten Beitrag von Tobias Schäfer mit dem Titel „Hört auf, Kinderfotos auf Facebook zu stellen!“

Nicht dass ich unmittelbar davon betroffen wäre, ich habe kein Kind. Aber: ich selbst war auch einmal Kind. Und zum Glück gab es da einfach nicht die Möglichkeit, digitale Photos zu machen oder diese im Internet zu verbreiten. Es gab weder Digitalkameras, noch Computer, noch Internet. Lediglich einen Schuhkarton mit vergilbten Bildern, wo ich in beigen Cordlatzhosen im Alter von 4 Jahren neben einem Ford Capri im Sonnenuntergang stehe. Das hat maximal der Schattenmann aus dem Photogeschäft gesehen, der in seiner Dunkelkammer von den ganzen Entwicklerflüssigkeiten sowieso schon nicht mehr zurechnungsfähig war.
Ja, das klingt gruselig alt. Vielleicht aber auch nur weise. Oder nach „Glück gehabt“.

Denn: ich würde es ganz und gar nicht lustig finden, wenn meine Eltern mein ganze Leben im Netz ausgebreitet hätten. Dass ich, bis ich 3 Jahre alt war, kaum Haare auf dem Kopf hatte (was sich jetzt völlig ins Gegenteil umgekehrt hat) und meine Mutter mir immer ein Kopftuch – wahlweise rot mit weissen Punkten oder blau mit gelben Punkten aufsetzte, weil sie sich für ihr glatzköpfiges Kind schämte. Ob ein Kopftuch das besser macht? Ansichtssache meiner Mutter….
Dass ich – so die Vermutung – mit Bananen aufgezogen wurde. Auf jedem zweiten Kinderfoto habe ich zumindest eine in der Hand. Auch hier bin ich froh, dass mir die Zeit den Post „oh wie süß, unsere Kleine liebt Bananen“ erspart hat.
Das sind die harmlosen Dinge. Aber wollen wir tatsächlich alles, wirklich ALLES über unser Leben im Netz finden? Lückenlos. Kommentiert und gefärbt von der Meinung unserer Eltern?

Wie ist es, wenn unsere Eltern vielleicht nicht ganz auf dem richtigen Weg sind und wir auf den Schultern unseres Vaters bei einer zweifelhaften Demo abgelichtet werden und im Netz auftauchen? Können wir das Image später abstreifen, auch wenn wir damals noch nicht selbst entschieden haben, dort Teil zu nehmen?
Wollen wir, dass alle Welt weiß, mit wem wir in Kindertagen befreundet waren oder sind? Oder mit wem wir spielen mussten, weil unsere Eltern befreundet waren?
Wollen wir, dass alle Welt sieht, in welchem Umfeld, mit welchen Möbeln, mit welchen Spielsachen wir aufgewachsen sind und wo wir Urlaub gemacht haben?
Diese Photos lassen für Datensammler mehr Informationen zu, als wir uns vorstellen können. Anhand von 10 Kinderfotos lässt sich ein mehr oder weniger lückenloses Persönlichkeitsprofil erstellen. Willkommen, NSA.

Die, die mit allem konform gehen, haben Glück gehabt. Aber es gibt eben auch Beispiele, wo wir die Themen lieber nicht im Netz gesehen hätten.

Meine Meinung: wir alle haben ein Recht auf Selbstbestimmung und drauf, was aus unserem Leben und von uns selbst wir preisgeben wollen. Und da sollte niemand vorgreifen und uns digital schon einmal auf einen bestimmten Pfad schubsen. Kinder sind Menschen, eigene Persönlichkeiten und kein Eigentum oder Accessoire, das auf sozialen Plattformen zur Schau gestellt werden sollte.