Home Office Hölle? Fehlanzeige. Alles eine Frage der Organisation.

10 Tipps für gutes Arbeiten im Home Office

„Oh Gott, du kannst im Home Office arbeiten? Ich könnte das nie! Lässt du dich da nicht ständig durch irgendetwas ablenken?“ Sätze, die immer wieder einmal fallen, wenn ich erwähne, dass ich öfter „zu Hause“ arbeite. Ja, das klappt. Nein, ich lasse mich nicht ablenken.
Für mich ist die Arbeit im Home Office ein echtes Geschenk. Sie spart 2 Stunden Rush-Hour pro Tag, schon damit die Nerven und die Umwelt und ermöglicht wirklich konzentriertes Arbeiten nach meinem ganz eigenen Rhythmus. Wie das wirklich gut funktioniert? Mit ein paar kleinen Tricks.

1 Am Tag vorher die wichtigsten ToDo’s festhalten

Bevor ich einen Arbeitstag beende, schreibe ich eine kleine ToDo Liste für den nächsten Tag. Handschriftlich, auf einen Block.

Im Home Office könnte ich nie abschalten.

Damit sind die ToDos raus aus dem Kopf, irgendwo gesichert und der nächste Arbeitstag ist geplant. Außerdem ist es ein sehr tolles Gefühl, auf dem Block erledigte Dinge durchzustreichen. So kippt nichts hinten runter und der Kopf ist am Abend frei. Rechner zuklappen, Liste drauf. Feierabend.

2 Büro on Ritual: Getting dressed and informed

In normalen Jobs etabliert sich an Arbeitstagen über die Zeit ein Morgenritual (Kaffee trinken, duschen, anziehen, Katze füttern, Zähne putzen) und es gibt einen Arbeitsweg, der die Trennung zwischen Privat und Arbeit klar markiert.

Im Home Office würde ich ja völlig verwahrlosen.

Dieses Ritual lässt sich prima auch für das Home Office nutzen. Der fehlende Arbeitsweg macht dann keinen großen Unterschied. Es gibt jeden Morgen feste Rituale. Ich arbeite nie im Schlafanzug oder unfrisiert.

Meinen Arbeitstag beginne ich mit 20 Minuten Extra-Zeit, vor die ersten Termine anstehen, um mich über die Themen des Tages zu informieren. Tagesschau im Stream, die wichtigsten Online-Magazine. So bin ich gerüstet für den ersten Small-Talk via Skype, Hang-Outs oder am Telefon – auch ohne den neuesten U-Bahn-Gossip.

3 Früh anfangen, der Arbeitstag ist endlich

Wenn ich an einem Tag noch etwas vorhaben möchte, versuche ich, möglichst früh anzufangen.

Du hast es ja gut – du kannst jeden Tag ausschlafen!

Ja, die Versuchung des „mal länger Schlafens“ ist groß. Am Ende führt es nur dazu, dass ich hektisch in den Arbeitstag stolpere – ohne Rituale – und sich die Tage immer weiter nach hinten schieben. Irgendwann findet Freizeit dann nur noch im Dunkeln statt. Wenn überhaupt. Daher: Auch ein Home Office hat feste Arbeitszeiten. Und der Wecker klingelt zu einer festen Uhrzeit.

4 Dinge, die keinen Spaß machen, zuerst

Morgens ist die Motivation am größten, daher mache ich zuerst immer diejenigen Aufgaben, die ich am wenigsten mag.

Ich würde ja nie irgendwas fertig bekommen. So ohne Deadlines.

So sind sie weg, sie können von meiner ToDo Liste verschwinden und der Tag startet gleich mit dem guten Gefühl, schon etwas geschafft zu haben. Aufgaben schieben sich daher nicht vor mir her, sondern lösen sich sofort auf, noch bevor ich richtig wach bin. Ungeliebte Aufgaben mutieren so zu echten Motivationskünstlern.

5 On und off fest planen

„Ich bin ja eh zu Hause“ ist kein guter Ansatz. Arbeitszeiten und Pausenzeiten sollten fest geplant werden.

Hat man im Home Office nicht ständig ein schlechtes Gewissen?

Wenn also „zwischendurch“ etwas erledigt werden muss, wird dieses Zeitfester bewusst als „Nicht-Arbeitszeit“ in den Tag geplant. Genauso, wie man in einem Büro eine Mittagspause oder einen Termin planen würde. So wird die Arbeit erledigt und es ist genug Platz, für andere ebenfalls wichtige Dinge, ohne, dass das eine dem anderen ins Gehege kommt. Wie in einem ganz normalen Job auch.

6 Handy und Rechner trennen

Ein privates Handy und ein privater Rechner sind kein Luxus, sondern notwendig.

Ruft dich nicht ständig jemand an, wenn du unter der Dusche stehst?

Partnerkarten für den Handyvertrag kosten heute kein Vermögen mehr. Und wenn wirklich kein zweiter Rechner drin ist, kann auch ein privater, zweiter Browser helfen und eine separate E-Mail-Adresse für Privates. Wenn ich nicht arbeite, ist auch mein Arbeitsgerät nicht an. Wenn ich arbeite, ist nur mein Arbeitsgerät an. So vermeide ich, in meiner Freizeit zu arbeiten oder bei der Arbeit private Dinge zu tun. Ganz einfach.

7 Tapetenwechsel gegen das Einzelhaft-Gefühl

Auch wenn ich einen sehr kommunikativen Job habe, sind Kollegen und andere, lebende Gesichter hin und wieder wichtig.

Kann man nach einiger Zeit im Home Office überhaupt noch sprechen?

Daher kann es sinnvoll sein, hin und wieder zur Inspiration den Arbeitsort zu wechseln. In einen Co-Working-Space, zum Kunden oder in ein ruhiges Café mit WLAN.

8 Kein Zwischendurch-mal-kurz

Schnell mal zwischendurch mit der Mutter telefonieren? Private Geschenke suchen? Arzttermine vereinbaren? Fehlanzeige.

Du hast es gut, du kannst nebenbei ja all deinen Kram erledigen.

Wenn ich arbeite, arbeite ich. Privates mache ich in festen Pausen und mit privaten Geräten (siehe Punkte 5 und 6). So gibt es keine Versuchung der Ablenkung.

9 Networking

Nachdem ein Home Office nicht automatisch eine Kollegin gegenüber oder Menschen aus dem zweiten Stock in der Kaffeeküche vorhält, ist es wichtig, sich diese selbst aktiv zu suchen.

Ist Home Office nicht ein bisschen so wie Einzelhaft?

Ideal sind Verabredungen zum Lunch. Viele andere Home Office-Bewohner freuen sich über den kleinen Break sicher ebenso, wie man selbst. Eine Mittagspause im Fitness- oder Yoga-Studio oder im Sportclub bietet sich auch hin und wieder an, um menschliche Kontakte zu pflegen.

10 Büro off Ritual: Ende ist Ende

Morgens definiere ich, wann ich aufhöre zu arbeiten. Daran halte ich mich.

Arbeitet man im Home Office nicht immer? Kann man da abschalten?

Überstunden mache ich nur dann, wenn über den Tag etwas wirklich Unvorhergesehenes passiert, das keinen Aufschub bis morgen duldet. Genau so, wie ich es auch in einem „echten Büro“ machen würde. Ein fester Anschlag des Tages führt dazu, dass man tagsüber konzentrierter und fokussierter arbeitet, weil ein Ende abzusehen ist. Dann: Alle Fenster zu, Rechner zu, AB an, ToDo Liste für morgen. Feierabend.

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NewWork: Das ist doch nur ein anderes Wort für faul.

NewWork ist derzeit in aller Munde. Meist verächtlich verspottet, gelten Menschen, die teilweise oder ganz im Home Office arbeiten, selbstständig oder auf Projektbasis tätig sind, nur als halbwertige Mitglieder der Arbeitsgesellschaft. Idealisten. Leute, die eben nicht geschafft haben, einen „richtigen Job“ zu bekommen, die „als Ehefrau in Beschäftigungstherapie sind“, die „nach der Babypause den Anschluss verpasst haben“ oder die „irgendwas Kreatives“ machen.

Was macht NewWork eigentlich?

Die smoothe Bezeichnung „NewWork“ beschreibt im weitesten Sinne die Auswirkungen und Konsequenzen der Globalisierung und Digitalisierung auf die Arbeitswelt. Heißt, die aktuellen Entwicklungen und Fortschritte machen es notwendig, auch in der Organisation der Arbeit ein wenig flexibel zu sein. Denn: Wenn man an einem Zahnrädchen dreht, bewegt sich logischerweise auch das andere mit, wenn man nicht die ganze Maschine kaputt machen möchte.

Fast Reading – Für alle, die #keineZeit haben aber dennoch wissen wollen, was Sache ist: Hier gibt es Bergmanns NewWork in aller Kürze.

Der NewWork Gedanke ist vor allem aber auch ein Umdenken und ein Anpassen des Arbeitsalltags auf die Anforderungen neu entstandener Tätigkeitsfelder. Als zentrale Werte von NewWork gelten Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Wir müssen eben ein bisschen fitter im Köpfchen und etwas flexibler in unserem Verhalten werden, wenn wir mit der Digitalisierung mithalten wollen und auch in ein paar Jahren noch einen sinnvollen Arbeitsplatz haben möchten.

NewWork ist daher sehr viel mehr als ein „Ausweichmanöver“ aus der klassischen Arbeitswelt.

Wie der Gedanke von Vertretern der „alten Arbeitsordnung“ oft verspottet wird. Allzu oft wird NewWork Befürwortern Faulheit unterstellt. „Die arbeiten doch nicht richtig“ heißt es oft.

Die falsche Skala

Früher wurde Arbeit mit der Stechuhr gemessen. Der Arbeitgeber verlangte, dass man – außer an Wochenenden, Feier- oder Urlaubstagen – minimum acht Stunden am Stück anwesend ist. Vorgeschriebene Pausenzeiten on top. Wann die beginnen und wann diese enden, schrieb das Unternehmen vor. In vielen Digitalen Jobs grenzt diese Vorstellung jedoch an Wahnsinn. Kreativ auf Knopfdruck? Exakt am Stück zu einer fest definierten Urzeit?
Der Mitarbeiter ist aber da und unter Kontrolle – wird das Unternehmen nun sagen. Ich möchte hinzufügen: Egal, wie produktiv er ist.

Die große Angst vor der Faulheit

Es scheint, als hätten Unternehmen vor allem Angst vor Kontrollverlust. Wer nicht physisch anwesend ist, tut vielleicht ja nichts.

Als lebende Vertreterin der NewWork – jedoch mit einem über 10-jährigen Erfahrungsschatz als Angestellte der „alten Schule“ – kann ich Entwarnung geben: Ich denke heute nicht länger „ich habe ja Zeit bis mindestens 18 Uhr und wenn ich früher fertig bin, kann ich mir davon auch nichts kaufen, außer dass ich das Laufwerk aufräumen, den Pressespiegel sortieren oder mir sonst eine kreative Zeitüberbrückung bis Feierabend suchen muss.“

Ich wage zu behaupten, dass viele Angestellte, die angeblich 12 oder 14 Stunden am Tag „arbeiten“, das nicht wirklich tun. Kein Mensch kann so lange am Stück Bestleistung abliefern. Es gibt dazwischen unheimlich viel Leerlauf, der dann eben im Büro überbrückt wird. Es geht um eine reine Anwesenheitsshow. Wer als letzter geht, gewinnt. Und wer häufig nach 22 Uhr das Büro verlässt wird als „hochmotiviert“ eingestuft und bekommt die nächste Beförderung. Am Ende eine riesige Lebens- und auch Arbeitszeitverschwendung.

Leistung kaufen, statt Zeit mieten

Mein heutiger NewWork Gedanke ist: „Bis zur Deadline werde ich mein Projekt abliefern. In bestmöglicher Qualität.“ Natürlich haue ich ganz anders in die Tasten, als früher. Denn die Skala, mit der ich gemessen werde, ist heute die richtige.

Es geht um Qualität und gute Arbeit und nicht um das Absitzen von vorgeschriebenen Zeitfenstern, egal in welchem Zustand und egal, ob Arbeit da ist oder nicht.

Wenn ich arbeite, gebe ich mir alle Mühe, gute Arbeit abzuliefern, denn ich möchte ja gerne wieder gebucht werden. Das passiert am wahrscheinlichsten, weil ich gute Arbeit mache und nicht, weil ich acht Stunden am Stück an einem Schreibtisch sitzen und lächeln kann, wenn der Chef vorbeikommt. Was ich auch kann, aber ziemlich langweilig finde.

Daher ja, ich organisiere mich und optimiere meine Zeit selbständig. Dafür habe ich die Freiheit, wenn ich meine Arbeit auf die maximal produktive Zeit lege, mir vielleicht zwischendurch einen kleine Auszeit zu gönnen. Im Büro hätte ich diese notwendige Regenerationszeit mehr oder weniger sinnlos vertrödelt, bis der Kopf wieder läuft. Mit freier Zeiteinteilung kann ich etwas lesen, ein Gespräch führen oder Vitamin D in der Sonne tanken. Oder ich kann zum Sport, einen kleinen Spaziergang machen, für ein gesundes Abendessen einkaufen und muss nicht nach Feierabend irgendein Fast-Food hastig in mich reinschlingen und mir noch eine Bandscheibenspritze beim Arzt holen. Das wichtigste daran: Ich kann das ohne schlechtes Gewissen tun, da ich ja keine bezahlte Anwesenheitszeit dafür „vertrödle“.

All das kommt meinen Auftraggebern zugute. Sie bekommen meine produktivste Zeit und mich in kreativstem Zustand. Sie mieten meinen Kopf nicht in einem starren Zeitfenster, egal ob er gerade produktiv ist oder nicht.