Nachhaltigkeit on – 8 Merksätze für den Start

Nachhaltig leben ist so schwierig. Ein Satz, den ich immer wieder höre. Ja, wahrscheinlich stimmt das, wenn wir versuchen vom Umweltberserker auf absoluter Vorbildmensch umzuschalten. Das führt zu Frust, Überforderung und nicht oft zur Resignation, bevor wir überhaupt angefangen haben, etwas zum Positiven zu verändern. Hier gibt es acht einfache Tipps, wie ein Start gar nicht weh tut.

1 Daheim kauft sich’s am schönsten.

Kleiner Reminder für den Supermarkt. Es müssen nicht immer Flugananas, die Tomaten aus Spanien, Spargel im Dezember oder Erdbeeren im März sein. Radieschen, Kopfsalat, Blaubeeren – je nach Saison wird um die Ecke auch ganz wunderbares geerntet. Regional zu kaufen spart CO2 und schont die Umwelt. Denn die Transportwege sind deutlich kürzer. Und ganz nebenbei unterstützen wir auch noch unsere Nachbarn.

Wann welches Obst und Gemüse in unseren Breiten erntereif ist, lässt sich einfach in einem Saisonkalender nachsehen.

Übrigens: Ein regionaler Speiseplan sorgt automatisch für mehr Abwechslung auf dem Teller.

2 Nackt ins Körbchen.

Oft kommt man vom Einkauf nach Hause und wirf 30% des Einkaufs gleich wieder weg. Verpackung, Tüten, Plastik ohne Ende. Das muss nicht sein. Nimm wiederverwertbare Taschen und Obst- und Gemüsetüten aus Tüll mit. Manches Obst und Gemüse muss gar nicht eingepackt werden, da es sowieso vor dem Verzehr gewaschen wird. Wenn du die Verpackung gar nicht vermeiden kannst (gerade in der Stadt ist das oft wirklich schwierig) achte auf möglichst wenig Verpackung aus Papier, Karton oder Glas.

3 Turn me off.

Aus, wirklich, wirklich aus.
Das gilt für Licht (nur in dem Raum, in dem du dich tatsächlich auch aufhältst), den Wasserhahn (beim Zähneputzen, beim Putzen, beim Kochen) und vor allem auch für alle Elektrogeräte, die einfach so im Stand-by-Modus Strom vor sich hin fressen. Alles, was nicht gebraucht wird: Aus. Ganz aus.
Das spart ganz nebenbei eine Menge Wasser uns Strom.

4 Fix it, Baby!

Wasserkocher defekt? Stuhlbein kaputt? Lack ab? Knopf ab? Sohlen abgelaufen? Es muss nicht immer alles sofort weggeschmissen werden. Oft kann man Dinge mit ein paar Handgriffen wieder fit bekommen. Wer kein geborener Meister Eder ist, kann klein anfangen und sich für die kniffeligen Fragen Rat holen.

Wer beim Reparieren Hilfe braucht, findet im Verzeichnis der Reparatur-Initiativen garantiert auch eine Anlaufstelle in seiner Nähe.

5 Give them a Second Chance!

Du brauchst dringend etwas Neues? Stiefel? Jacke? Küchenutensilien? Man muss nicht immer alles neu kaufen.

Vintage ist nicht nur cool, sondern vor allem nachhaltig. Vieles, was andere vielleicht nicht mehr brauchen, ist noch absolut gut und es ist Verschwendung, es wegzuwerfen.

Kleinanzeigen, Flohmärkte und Second Hand Läden haben sicher noch etwas für dich vorrätig. Denn: Ein neu gekauftes Teil ist nach dem ersten Benutzen auch gebraucht. Und ein gebrauchtes Teil ist für dich immer auch neu, wenn du es zum ersten Mal in Händen hältst.

6 My one and only.

Lieber ein gutes Teil als zehn mittelmäßige. Das gilt vor allem für Schuhe und Kleidung. Lieber eine nachhaltige, etwas teurere Jeans in guter Qualität, als drei schlecht sitzende Billigteile.

Bei vermeintlichen Schnäppchen zahlt immer jemand anderes die Rechnung für dich. Sei des durch Kinderarbeit, Billiglohn oder unwürdige Zustände. Einer zahlt. Immer.

Bei Einrichtungsgegenständen oder Elektro- und Elektronikgeräten kann ein Blick in die Kleinanzeigen oder in entsprechende Facebook-Gruppen lohnen. Meist gibt es genau das gewünschte Teil dort. Und wenn nicht: Nimm einen Eimer Farbe dazu und streiche den neuen Schrank nach deinen Vorstellungen. So schaffst du ganz nebenbei noch ein Unikat.

7 Give me one (more) piece.

Alles ist zigfach eingepackt. Warum muss es immer die Schokolade in einzelnen Riegeln sein? Nimm eine ganze Tafel. Einzeln verpackte Vollkornbrotscheiben? Muss nicht: Brot gibt’s am Stück und hält sogar länger frisch. 4 x 150 Gramm Yoghurt im Plastikbecher? Nimm ein großes Mehrwegglas und fülle dir deine Portion zum Mitnehmen ins Büro einfach selbst ab. Kleine Trinkpäckchen mit Orangensaft? Wozu. Ein Kilo frische Orangen lassen sich auch wunderbar selbst auspressen.
Sieh dich ein bisschen um. Mit ein wenig Übung findest du immer die umweltfreundliche Alternative „am Stück“ und ohne Extra-Müll.

8 Bring it back.

Viele Dinge kann man zurückbringen. Getränkeflaschen, Yoghurt-Gläser, Kleiderbügel aus der Reinigung, Altglas, Altpapier, Batterien (wenn es denn sein muss – nutze lieber wiederaufladbare Akkus). Viele Verbrauchsartikel lassen sich als Mehrweg-Artikel erwerben oder aber du wählst Gefäße, die sich zumindest recyceln lassen und bist so fair, diese nicht im Hausmüll, sondern bei den dafür vorgesehenen Sammelstellen zu entsorgen.

Also – lass es uns gemeinsam angehen. Denn ein bisschen Rücksicht auf unseren Planeten kann unglaublich viel Spaß machen.

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Nahezu zu Tode (warte)geschleift

Woher kommt eigentlich das Wort Warteschleife? Wahrscheinlich hat es weniger etwas mit dem Wort der Wiederholungsschleife oder einer ellyptischen Kreisbahn, denn viel eher etwas mit der mittelalterlichen Foltermethode des Schleifens zu tun? Mann kann durchaus Menschen zu Tode (warte-)schleifen. Wie mir scheint.

Heute im Call-Center von O2. In meinen Vertragsunterlagen steht, dass unter dieser Kunden-Hotline Vertragsänderungen und Kündigungen möglich sind. Meine zig Passwörter halte ich bereit. Ich weiß schon vom letzten Mal, dass mein Vertrag dort wie Fort Knox gesichert ist. Zumindes vor mir.

Ein Freizeichen – dann „Wenn Sie einen DSL Anschluss beantragen wollen, drücken Sie die Eins, wenn Sie sich über unsere Tarife informieren wollen, drücken Sie die Zwei, wenn Sie Fragen zu Ihrer Festnetztelefonie haben, drücken Sie die Drei.“ Nein hab ich nicht. „Wenn Sie Ihren Vertrag ändern wollen, drücken Sie die Vier.“ Nein, ich will kündigen.
„Wenn Sie ein sonstiges Anliegen haben, sagen Sie „sonstiges“ oder drücken Sie die Neun.“
Vor ich Neun drücke, frage ich mich, womit wohl die Plätze 5 bis 8 belegt sind. Bin aber gleichzeitig froh, dass sie mir nicht vorgelesen wurden.

Dann Musik (fetzige natürlich) – dann Werbung „wussten Sie schon….“ – dann Musik – dann Werbung „wussten Sie schon…“ – Musik – „wussten Sie….“ – Ja, verdammt. Weiß ich. 43 Minuten später hat es sicher auch der Letzte auswendig gelernt.
Dann ertönt: „Legen Sie nicht auf. Ihr Anruf ist uns wichtig.“
Im Ernst?!? Ich persönlich würde jetzt jemanden, der mir wichtig ist, nicht 43 Minuten….

eine mächtig motivierte Stimme weckt mich wieder auf: „Guten Tag bei O2. Mein Name ist [eine Ansammlung an Nuschellauten]. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Eigentlich ist mir schon gar nicht mehr zu helfen, aber ich formuliere: „Ich würde gerne meinen Vertrag kündigen.“
O2: „Dann sind Sie hier falsch.“
Ich: „Könnten Sie mich bitte durchstellen?“
O2: „Nein, ich bin in Dresden.“
Anscheinend werden dort Anrufe noch hin und hergetragen?
Ich: „Gut, was mus ich tun?“
O2: „Die Kundenbetreuung anrufen.“
Ich: „Hab ich?“
O2: „Kann nicht sein.“
Nein, das will ich jetzt nicht ausdiskutieren. Denn der arme Mann hat sicher den Infobrief nicht geschrieben.
Ich: „Wohin muss ich mich also wenden?“
O2 diktiert mir eine 15-stellige 0180 usw. Nummer.

Ich wähle wieder.
Ein Freizeichen – dann „Wenn Sie einen DSL Anschluss beantragen wollen, drücken Sie die Eins, wenn Sie sich über unsere Tarife informieren wollen, drücken Sie die Zwei, wenn Sie Fragen zu Ihrer Festnetztelefonie haben, ….“ Nein, hab ich nicht.
Ich drücke auf Verdacht die Neun.

Musik. Musik. Musik (die gleiche wie vorher). Werbung „Wussten Sie schon….“ (die gleiche wie vorher).
36 Minuten später: „Herzlich willkommen in der O2 Kundenbetreuung. Mein Name ist [eine Ansammlung von Konsonanten]. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Ich: „Ich würde gerne meinen Vertrag bei Ihnen kündigen.“
O2: „Da sind sie hier falsch.“
Bitte nicht. Ich schweige noch ein bisschen.
O2: „Sind sie noch da?“
Ich: „Ja, ich hatte gehofft, Sie überlegen sich das noch einmal.“
O2: „Ich kann sie durchstellen.“
Ich bin heilfroh: „Ja bitte.“

Musik. Musik. Musik. 15 Minuten. Währenddessen mache ich Kaffee.
O2: „Herzlich willkommen in der O2 Neukundenannahme. Mein Name ist [eine Ansammlung von Konsonanten]. Wie kann ich Ihnen helfen?“
NEUKUNDENANNAHME?
Ich: „Ich möchte gerne meinen Vertrag bei Ihnen kündigen.“
O2: „Sie haben Glück. Da kann ich Ihnen heute ein besonders günstiges Angebot machen. Ultra-High-Speed-Surfer mit Extra-Speed VDSL 100.000 O2 All-In XL ein Jahr zum Preis von Normal-Surfer DSL 10.000 danach 39,95 Euro.“
Danach was?
Ich: „Alles klar!“
O2: „Darf ich das so notieren?“
Ich: „Nein.“
Stille.
O2: „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“
Ich: „Ja. Ich würde gerne meinen Vertrag kündigen.“
O2: „Wollen Sie eine schnellere Leitung?“
Ich: „Ich würde gerne meinen Vertrag kündigen.“
Es kommt mir schon vor wie ein Mantra.
O2: „Warum? Sind Sie unzufrieden mit Ihrer Datengeschwindigkeit?“
Ich: „Nein. Ich möchte meinen Vertrag kündigen.“
O2: „Sie können auch noch eine Telefon Super-Flat XL für die ersten 12 Monate kostenlos dazubuchen.“
Ich: „Nein danke. Ich möchte meinen Vertrag kündigen.“
O2: „Sind sie mit uns unzufrieden?“
Endlich, da war es.
Ich: „Langsam ja.“
O2: „Was ist der Grund für Ihre Unzufridenheit?“
Mit Blick auf 1 Stunde 49 Minuten auf meiner Telefonuhr kommt mir das tatsächlich vor, wie ein schlechter Witz.
Ich: „Ich möchte zu M-Net wechseln.“
O2: „Warum? Wollen Sie eine schnellere Leitung?“
Oh nein. Falsches Stichwort.
Ich: „Weil da ein persönlicher Kundenbetreuer vorbeikommt und mir zuhört.“
O2: „Alles klar. Ich vermerke ihre Kündigung und wünsche Ihnen einen schönen Tag.“

Liebes Call-Center von O2 und liebes Management: so wird das nichts.