Home Office Hölle? Fehlanzeige. Alles eine Frage der Organisation.

„Oh Gott, du kannst im Home Office arbeiten? Ich könnte das nie! Lässt du dich da nicht ständig durch irgendetwas ablenken?“ Sätze, die immer wieder einmal fallen, wenn ich erwähne, dass ich öfter „zu Hause“ arbeite. Ja, das klappt. Nein, ich lasse mich nicht ablenken.
Für mich ist die Arbeit im Home Office ein echtes Geschenk. Sie spart 2 Stunden Rush-Hour pro Tag, schon damit die Nerven und die Umwelt und ermöglicht wirklich konzentriertes Arbeiten nach meinem ganz eigenen Rhythmus. Wie das wirklich gut funktioniert? Mit ein paar kleinen Tricks.

1 Am Tag vorher die wichtigsten ToDo’s festhalten

Bevor ich einen Arbeitstag beende, schreibe ich eine kleine ToDo Liste für den nächsten Tag. Handschriftlich, auf einen Block.

Im Home Office könnte ich nie abschalten.

Damit sind die ToDos raus aus dem Kopf, irgendwo gesichert und der nächste Arbeitstag ist geplant. Außerdem ist es ein sehr tolles Gefühl, auf dem Block erledigte Dinge durchzustreichen. So kippt nichts hinten runter und der Kopf ist am Abend frei. Rechner zuklappen, Liste drauf. Feierabend.

2 Büro on Ritual: Getting dressed and informed

In normalen Jobs etabliert sich an Arbeitstagen über die Zeit ein Morgenritual (Kaffee trinken, duschen, anziehen, Katze füttern, Zähne putzen) und es gibt einen Arbeitsweg, der die Trennung zwischen Privat und Arbeit klar markiert.

Im Home Office würde ich ja völlig verwahrlosen.

Dieses Ritual lässt sich prima auch für das Home Office nutzen. Der fehlende Arbeitsweg macht dann keinen großen Unterschied. Es gibt jeden Morgen feste Rituale. Ich arbeite nie im Schlafanzug oder unfrisiert.

Meinen Arbeitstag beginne ich mit 20 Minuten Extra-Zeit, vor die ersten Termine anstehen, um mich über die Themen des Tages zu informieren. Tagesschau im Stream, die wichtigsten Online-Magazine. So bin ich gerüstet für den ersten Small-Talk via Skype, Hang-Outs oder am Telefon – auch ohne den neuesten U-Bahn-Gossip.

3 Früh anfangen, der Arbeitstag ist endlich

Wenn ich an einem Tag noch etwas vorhaben möchte, versuche ich, möglichst früh anzufangen.

Du hast es ja gut – du kannst jeden Tag ausschlafen!

Ja, die Versuchung des „mal länger Schlafens“ ist groß. Am Ende führt es nur dazu, dass ich hektisch in den Arbeitstag stolpere – ohne Rituale – und sich die Tage immer weiter nach hinten schieben. Irgendwann findet Freizeit dann nur noch im Dunkeln statt. Wenn überhaupt. Daher: Auch ein Home Office hat feste Arbeitszeiten. Und der Wecker klingelt zu einer festen Uhrzeit.

4 Dinge, die keinen Spaß machen, zuerst

Morgens ist die Motivation am größten, daher mache ich zuerst immer diejenigen Aufgaben, die ich am wenigsten mag.

Ich würde ja nie irgendwas fertig bekommen. So ohne Deadlines.

So sind sie weg, sie können von meiner ToDo Liste verschwinden und der Tag startet gleich mit dem guten Gefühl, schon etwas geschafft zu haben. Aufgaben schieben sich daher nicht vor mir her, sondern lösen sich sofort auf, noch bevor ich richtig wach bin. Ungeliebte Aufgaben mutieren so zu echten Motivationskünstlern.

5 On und off fest planen

„Ich bin ja eh zu Hause“ ist kein guter Ansatz. Arbeitszeiten und Pausenzeiten sollten fest geplant werden.

Hat man im Home Office nicht ständig ein schlechtes Gewissen?

Wenn also „zwischendurch“ etwas erledigt werden muss, wird dieses Zeitfester bewusst als „Nicht-Arbeitszeit“ in den Tag geplant. Genauso, wie man in einem Büro eine Mittagspause oder einen Termin planen würde. So wird die Arbeit erledigt und es ist genug Platz, für andere ebenfalls wichtige Dinge, ohne, dass das eine dem anderen ins Gehege kommt. Wie in einem ganz normalen Job auch.

6 Handy und Rechner trennen

Ein privates Handy und ein privater Rechner sind kein Luxus, sondern notwendig.

Ruft dich nicht ständig jemand an, wenn du unter der Dusche stehst?

Partnerkarten für den Handyvertrag kosten heute kein Vermögen mehr. Und wenn wirklich kein zweiter Rechner drin ist, kann auch ein privater, zweiter Browser helfen und eine separate E-Mail-Adresse für Privates. Wenn ich nicht arbeite, ist auch mein Arbeitsgerät nicht an. Wenn ich arbeite, ist nur mein Arbeitsgerät an. So vermeide ich, in meiner Freizeit zu arbeiten oder bei der Arbeit private Dinge zu tun. Ganz einfach.

7 Tapetenwechsel gegen das Einzelhaft-Gefühl

Auch wenn ich einen sehr kommunikativen Job habe, sind Kollegen und andere, lebende Gesichter hin und wieder wichtig.

Kann man nach einiger Zeit im Home Office überhaupt noch sprechen?

Daher kann es sinnvoll sein, hin und wieder zur Inspiration den Arbeitsort zu wechseln. In einen Co-Working-Space, zum Kunden oder in ein ruhiges Café mit WLAN.

8 Kein Zwischendurch-mal-kurz

Schnell mal zwischendurch mit der Mutter telefonieren? Private Geschenke suchen? Arzttermine vereinbaren? Fehlanzeige.

Du hast es gut, du kannst nebenbei ja all deinen Kram erledigen.

Wenn ich arbeite, arbeite ich. Privates mache ich in festen Pausen und mit privaten Geräten (siehe Punkte 5 und 6). So gibt es keine Versuchung der Ablenkung.

9 Networking

Nachdem ein Home Office nicht automatisch eine Kollegin gegenüber oder Menschen aus dem zweiten Stock in der Kaffeeküche vorhält, ist es wichtig, sich diese selbst aktiv zu suchen.

Ist Home Office nicht ein bisschen so wie Einzelhaft?

Ideal sind Verabredungen zum Lunch. Viele andere Home Office-Bewohner freuen sich über den kleinen Break sicher ebenso, wie man selbst. Eine Mittagspause im Fitness- oder Yoga-Studio oder im Sportclub bietet sich auch hin und wieder an, um menschliche Kontakte zu pflegen.

10 Büro off Ritual: Ende ist Ende

Morgens definiere ich, wann ich aufhöre zu arbeiten. Daran halte ich mich.

Arbeitet man im Home Office nicht immer? Kann man da abschalten?

Überstunden mache ich nur dann, wenn über den Tag etwas wirklich Unvorhergesehenes passiert, das keinen Aufschub bis morgen duldet. Genau so, wie ich es auch in einem „echten Büro“ machen würde. Ein fester Anschlag des Tages führt dazu, dass man tagsüber konzentrierter und fokussierter arbeitet, weil ein Ende abzusehen ist. Dann: Alle Fenster zu, Rechner zu, AB an, ToDo Liste für morgen. Feierabend.

Advertisements

3 Gedanken zu “Home Office Hölle? Fehlanzeige. Alles eine Frage der Organisation.

    1. Ja, du hast völlig Recht. Gerade wenn man konzentriert am Stück arbeiten will, ist das ganz wunderbar. Ich weiß nicht was du arbeitest, aber wäre das nicht einmal eine Anregung für deinen Chef? Ab und an einen Home Office Tag zu genehmigen?

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s