Einfach mal dem Toaster guten Morgen sagen.

Neulich bekam ich Alexa geschenkt. Ein Abhörgerät für meine Wohnung oder wahlweise das Büro. Wozu? Vorab soll gleich einmal gesagt werden: Das Paket ist ungeöffnet.

Ich frage mich ernsthaft, was mit den Menschen kaputt ist. Warum stellen wir uns ein Gerät ins Zimmer, das so wahnsinnig tolle Dinge kann wie den Wecker stellen, den Wetterbericht vorlesen oder das Musik-Abspielgerät aktivieren? Es gibt doch für all diese Dinge bereits viel zu viele Geräte mit Knöpfen, die wir drücken können?

Finden Menschen in Alexa vielleicht als eine Art Freunde- oder Partnerersatz? Eine Frau sagte zu mir: Wenn ich morgens in die Küche komme, sage ich erst einmal: „Guten Morgen, Alexa.“ Bitte wie? Mir kamen fast die Tränen. Wie traurig ist es eigentlich, wenn wir anfangen, mit unseren Elektrogeräten zu sprechen? Früher waren schon ältere Damen als schrullig verschrien, die ihren Katzen einen Guten Morgen wünschten. Die Fellknäuel bedanken sich aber wenigstens mit einem Schmeicheln um die Beine und geben ein wenig Herzenswärme zurück. Auf ihre Art. Menschen, die mit ihren Pflanzen sprachen, wurden als Esoterik-Freaks belächelt. Aber nun ist es also salonfähig, mit einem Elektrogerät zu sprechen?

Vielleicht sind einige dieser Menschen ja nur einsam.

Diese Einsamkeit wird allerdings nicht besser, wenn wir Alexa auch noch all unsere Sachen, die wir nicht brauchen, bestellen lassen, die uns dann direkt geliefert werden. Dinge wie Marmelade. Also keine speziellen handgeklöppelten Ersatzschnürsenkel für unsere Lieblings-Schuhe, die weltweit nur 10 Mal hergestellt wurden, sondern: Marmelade! Die gibt es in jedem herkömmlichen Supermarkt oder kann, noch besser, selbst eingekocht werden. Also warum zur Hölle lassen wir das Glas dann erst mit Unmengen von Papier in einen viel zu großen Karton packen, ihn quer durch die Republik schippern, um dann die ganze Verpackung wieder wegzuschmeissen? Am besten noch Bio-Marmelade aus ökologischer Herstellung. Da muss ja irgendwie die schlechte Öko-Bilanz wieder ausgeglichen werden.
Der abgehetzte Bote, der sich im besten Fall für den Mindestlohn abrackert, hat sicher keine Zeit für menschlichen Kontakt. Also schneiden wir uns diese Form der Kommunikation – wie eine freundliche Unterhaltung und Beratung im Fachgeschäft, oder das Gespräch, mit der netten Nachbarin, die uns Erdbeeren aus dem Schrebergarten mitbringt – auch noch ab.

In vielerlei Hinsicht halten wir Werte wie Freiheit und Selbstbestimmtheit hoch. Überall geht es um Selbstverwirklichung und die großen Möglichkeiten. Gleichzeitig stellen wir uns ein Überwachungsgerät in die Wohnung, das alles über uns aufzeichnet. Wann wir aufstehen, welche Musik wir hören, wann wir zu Hause sind und welche mehr oder weniger sinnlosen Dinge wir bestellen. Damit geben wir einem großen Konzern die Macht, immer mehr die Kontrolle über unser Leben zu übernehmen. Schleichend bekommen wir nur noch bestimmte Filme und Serien vorgeschlagen. Kunden die dieses mochten, mochten auch jenes. Dann kann es für uns ja gar nicht schlecht sein. Oder? Und gleichzeitig werden wir immer bequemer und folgen genau diesen Vorschlägen. Denn es ist ja nur „ein Klick“. So praktisch.

Ist es Bequemlichkeit oder Dummheit? Oder die Angst, den Anschluss zu verpassen und nicht mehr „hip“ zu sein, wenn man nicht mindestens Prime-Mitglied ist? Angst, den neuesten heißen Scheiß zu verpassen?

Ich, für meinen Teil, habe meinem Toaster von 1996 heute einen Guten Morgen gewünscht – was ihm egal war, er hat den Toast dennoch verbrannt – und meiner Katze eine schönen Tag gewünscht, was sie mit einem Maunzen erwidert hat, um dann beim Bäcker ohne explizite Bestellung von der netten Verkäuferin eine Butterbreze über die Theke geschoben zu bekommen. Auch eine Art von Big Data Analyse, allerdings im Kopf der netten Verkäuferin, die mich seit Jahren kennt. Sie hat mir sogar noch einen schönen Tag gewünscht und mir gesagt, dass es heute sonnig wird.

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