Der Nanny-Ersatz: Fernseher

Kinder sind ein wunderbarer Spiegel unserer Gesellschaft. Nachdem ich die Freude habe, direkt über einer Kindertagesstätte zu wohnen und zu schaffen, sitze ich sozusagen direkt am Quell des gesellschaftlichen Verfalls. Live und in Farbe.

Erinnern wir uns nicht alle gerne an unsere Kindheit zurück? In der wir uns, im zarten Alter von 4 oder 5 Jahren, zwei Spielgefährten schnappten um Ritter, Prinzessin und böser Räuber zu spielen? Der große Bub war der Ritter, die kleine Schwester des Kumpanen, die man mal wieder auf Geheiß der Eltern zum Spielen mitnehmen musste, die Prinzessin. Meist nicht mit Sprechrolle, aber niedlich anzusehen und gut geeignet um sie zu beschützen, wenn der böse Räuber auf seinem Dreirad angeritten kam. Ein schönes Spiel.

Am heutigen Tage durfte ich Zeugin einer Neuinszenierung eben dieses Stückes werden. Sozusagen einer Transformation in die Moderne. Renommierte Theaterkritiker hätten ihre wahre Freude daran, wären sie Zeugen des Geschehens geworden.

Im Garten des Kindergartens. Kind 1, 2 und 3 (in Summe keine 12 Jahre alt) sind bei ca. 4° Grad Außentempeartur im Garten geparkt, um die ErzieherInnen nicht beim Kaffee trinken zu stören, bis die Bringzeit vorüber ist und das gemeinsame Frühstück beginnt.
Kind 1: „Ey, lass uns was krasses spielen.“
Kind 2: „Geht klar. Was’n?“
Kind 1: „Ich bin der coole Checker und du die Bitch.“
Kind 3 (mischt sich ein): „Ey, dann bin ich der, der euch abziehen will!“

Wie schön wäre eine Welt, in der Kindern bisweilen ein echtes Buch vorgelesen würde. In der Mütter Zeit hätten, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen und Kinder nicht ihr Wissen aus dem Nanny-Ersatz Fernseher ziehen müssten.

 

Advertisements

4 Gedanken zu “Der Nanny-Ersatz: Fernseher

  1. Ob daran wirklich der Fernseher schuld ist? Wenn ich an meine Kindheit zurück denke, dann kamen solche Spiele und Bezeichnungen meistens von älteren Geschwistern und die jüngsten haben es nachgemacht… wenn ich von meinem Sohn ausgehe, ist im Fernsehen eigentlich nichts interessantes außer den Figuren die er aus Büchern kennt. Ich kann mir nicht vorstellen dass 3-4 jährige das RTL-Nachmittagsprogramm so interessant finden, dass sie es nachspielen….

    Gefällt mir

    1. Danke für deine Gedanken, liebe Lisa. Weiß der Kuckuck, woher das kommt. Aber ich finde, dass Eltern und ErzierInnen schon in der Pflicht wären, ihren Kindern beizubringen, was Umgangssprache ist, was schöne Sprache ist und wie Wörter wirken und benutzt werden sollten. Ganz egal, wo sie die Worte nun aufgeschnappt haben.

      Gefällt mir

      1. Lieber Rainer, ich bin in einer Großfamilie mit Pflegekindern aufgewachsen, in der ich die mit Abstand älteste Schwester war und bin. Daher hatte ich schon früh die Gelegenheit, viel von meiner Mutter, die Erzieherin ist, zu lernen und auch mit meinen kleinen und kleinsten Geschwistern zu proben. Heute bin ich stolze Tante und Ersatzmama von drei kleinen Jungs. Mir ist der Umgang mit kleinen Menschen also mehr als geläufig, auch wenn ich keine kleinen Menschen eigenen Blutes zu meiner persönlichen Familie zählen darf.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s