Aus der Zauberkiste des Wahnsinns – E-Mail an mich #4

Mein E-Mail Postfach ist ein Quell der ewigen Freude!
Heute erreichte mich einmal mehr so großartige Post jener Kategorie, die mich nachhaltig jung hält. Sorgt sie doch dafür, dass meine Gesichtszüge gar nicht auf die Idee kommen, verhärmte Falten zu produzieren. Ich danke dem Absender vorab für die 1.000 Lachfältchen extra.

Aber zurück zum Anfang der Geschichte:
Ein mir bis dato völlig unbekannter Nutzer Sozialer Medien namens Richard K. [Name aus Pietätsgründen v.d.R. geändert] platzt ohne Vorwarnung munter in mein Postfach [ich zitiere wörtlich, incl. kreativer Orthographie] – Anrede und Grußformel sowie eine Vorstellung werden augenscheinlich nach wie vor überbewertet:

„Besser wär für dich echt das Cabrio-Fahren. Erstens ist es seiöser, ungefährlicher und macht auch noch bei hohen Geschwindigkeiten Sinn und Spass. Hat man das nötige Kleingeld, dann ist die Reisegeschwindigkeit auch auf Passstrassen mit dem Auto höher. Die Frau verkommt nicht zu einer Mückenschluckerin und bei Regen zu einem nassen Pudel. Deshalb auch für mich: Edle Frau = ohne Motorrad ansonsten NoGo.“

Schön an dieser Stelle: Die subtile Unterstellung des fehlenden Kleingeldes, die automatisch für den Moment das eigene kleine Ego ein bisschen größer macht. Worüber ich tatsächlich noch nachdenke, ist die Sache mit dem Cabrio und dem nassen Pudel. Denn bei Regen ist ein offenes Cabrio-Dach tatsächlich weitaus weniger bequem, als ein Motorrad-Helm.
Jedoch interessiert es mich tatsächlich brennender zu erfahren, wie die neuzeitliche Definition einer „edlen Frau“ lautet. Also übe ich mich in Contenance und antworte auf ähnlichem Niveau:

„Einen schönen guten Tag! Interessanter Ansatz. Was jetzt jedoch gänzlich untergegangen ist, ist die Definition einer edlen Frau. Vielleicht kann ich ja noch etwas lernen?“

Prompt ist Richard  mit einer Erklärung zur Stelle:

„Motorrad macht Frauen zu „Mannweibern“. Da mache ich auch erst mal einen Schritt zurück. Das ist nicht besonders feminin. Da kann sie sich nebenbei als Vamp verkleiden, wie sie will, aber der Eindruck bleibt.
Du könntest auch urweibliche Dinge tun und z. B : regelmäßig reiten, ein paar Katzen zu Hause leidenschaftlich versorgen oder als Hobby Poledance betreiben.“

Wow. Feminin = Vamp = Poledance und Kätzchen? Spontan geht vor meinem inneren Auge eine rosa Wolke auf, in der eine Plastik-Barbie mit einem Feder-Staubwedel in Agent-Provocateur-Wäsche mit Verona-Poth-Stimmlage „I’m a Barbie Girl“ trällert. Okay.
Ich bin spontan so begeistert, dass ich dringend mehr über dieses charmante Kerlchen erfahren möchte. Also locke ich ihn noch etwas aus der Reserve:

„Verstehe. Das war mir so gar nicht bewusst. Kannst du mir denn noch einige Tipps geben?“

Und Richard lässt sich nicht lumpen:

„Ihr sucht doch nach Männern mit Status. Das ist doch bei euch immer so. Ich arbeite übrigens bei einem renommierten Finanzunternehmen und kenne viele Single-Männer, die gut verdienen und euch was bieten können. Ich kann dir nur sagen: mit dem Hobby kriegst du sicher keinen von uns.“

Danke Richard, für diese aufschlussreichen Einblicke in „eure“ Welt.
Eigentlich sollte an dieser Stelle mein Part mit Tipps für dich folgen. Allerdings glaube ich, dass du vieles verstanden hast, wenn du von „uns“ und „ihr“ sprichst. Das würde ich für die Zukunft auch gerne einfach so belassen wollen.

 

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