Ein Broccoli-Kreislauf

„Monsanto bekommt ein Patent auf Broccoli.“ So ein kleiner Satz am Rande in der Fülle an irren Meldungen in den Nachrichten, die mir immer mehr wie die Heute-Show vorkommen.
Ein Patent auf bitte was? Broccoli. Das sind diese Pflanzen, die in der Erde wachsen. Die von einer Institution namens „Natur“ hervorgebracht (neudeutsch: erfunden) wurden. Wahrscheinlich wissen die großen Bosse bei Monsanto aber gar nicht, wer dieser „Natur“ eigentlich ist. Schließlich hat der noch nie einen Prozess gegen sie geführt oder gar gewonnen. Insofern kann der nicht soooo wichtig sein, dass man ihn „auf der Agenda“ haben muss.

Ja das geht seit neuestem: Große Konzerne lassen sich Lebensmittel patentieren. Pflanzen. Und das Patentamt findet das absolut wunderprächtig, weil es nun an jedem Broccoli, der über den Ladentisch wandert – sei es ein Pflänzchen oder ein Nahrungsmittel – kräftig mitschneidet. So können sich die Herren Patentanwälte einen neuen Luxusschlitten bei einem dicken Automobilkonzern (der in Deutschland keine Steuern zahlt) bestellen, der anschließend wieder mit Rapsöl aus Monsanto-Pflanzen fährt. Diese Pflanzen werden natürlich irgendwo in der Dritten Welt angebaut, wo die Böden auf Jahre hin ausgelaugt werden und die Einwohner für 30 Cent am Tag 16 Stunden lang ohne Atemschutz auf den Feldern arbeiten „dürfen“. Ein schöner geschlossener Kreislauf.

Täglich wird daran gearbeitet, dieses System weiter wasserdicht zu machen. Für uns sieht das zukünftig wohl so aus: Pflänzchen zum Selberanbauen werden unterbunden, denn sonst verdient die Lebensmittelindustrie nichts mehr. Schwarzanbau wird zur Straftat. Da lassen sich ja fix mal die Gesetze anpassen.
Daher kaufen wir den Broccoli künftig von Monsanto – ob wir wollen oder nicht. Wir brauchen schließlich etwas zu essen. Das große System entscheidet künftig auch, was das kosten darf und ob das ganze genverändert oder mit hauseigenen Pestiziden aufgepeppt wird. Natürlich kann man da auch wunderbar Feldversuche für neue Pflanzenschutzgifte durchführen. Denn wir haben ja keine Ausweichmöglichkeiten mehr. Außer der, dass wir bargeldlos mit Chip im Handgelenk quittieren, unsere wöchentliche Brokkoli-Ration bereits abgeholt zu haben.

Vielleicht wäre es schlau, jetzt zum Patentamt zu gehen, und sich ein Patent auf Blumenkohl zu holen. Aber was passiert: Wir winken TTIP durch, weil dadurch mehr Arbeitsplätze entstehen. Bei Monsanto.

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