Nahezu zu Tode (warte)geschleift

Woher kommt eigentlich das Wort Warteschleife? Wahrscheinlich hat es weniger etwas mit dem Wort der Wiederholungsschleife oder einer ellyptischen Kreisbahn, denn viel eher etwas mit der mittelalterlichen Foltermethode des Schleifens zu tun? Mann kann durchaus Menschen zu Tode (warte-)schleifen. Wie mir scheint.

Heute im Call-Center von O2. In meinen Vertragsunterlagen steht, dass unter dieser Kunden-Hotline Vertragsänderungen und Kündigungen möglich sind. Meine zig Passwörter halte ich bereit. Ich weiß schon vom letzten Mal, dass mein Vertrag dort wie Fort Knox gesichert ist. Zumindes vor mir.

Ein Freizeichen – dann „Wenn Sie einen DSL Anschluss beantragen wollen, drücken Sie die Eins, wenn Sie sich über unsere Tarife informieren wollen, drücken Sie die Zwei, wenn Sie Fragen zu Ihrer Festnetztelefonie haben, drücken Sie die Drei.“ Nein hab ich nicht. „Wenn Sie Ihren Vertrag ändern wollen, drücken Sie die Vier.“ Nein, ich will kündigen.
„Wenn Sie ein sonstiges Anliegen haben, sagen Sie „sonstiges“ oder drücken Sie die Neun.“
Vor ich Neun drücke, frage ich mich, womit wohl die Plätze 5 bis 8 belegt sind. Bin aber gleichzeitig froh, dass sie mir nicht vorgelesen wurden.

Dann Musik (fetzige natürlich) – dann Werbung „wussten Sie schon….“ – dann Musik – dann Werbung „wussten Sie schon…“ – Musik – „wussten Sie….“ – Ja, verdammt. Weiß ich. 43 Minuten später hat es sicher auch der Letzte auswendig gelernt.
Dann ertönt: „Legen Sie nicht auf. Ihr Anruf ist uns wichtig.“
Im Ernst?!? Ich persönlich würde jetzt jemanden, der mir wichtig ist, nicht 43 Minuten….

eine mächtig motivierte Stimme weckt mich wieder auf: „Guten Tag bei O2. Mein Name ist [eine Ansammlung an Nuschellauten]. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Eigentlich ist mir schon gar nicht mehr zu helfen, aber ich formuliere: „Ich würde gerne meinen Vertrag kündigen.“
O2: „Dann sind Sie hier falsch.“
Ich: „Könnten Sie mich bitte durchstellen?“
O2: „Nein, ich bin in Dresden.“
Anscheinend werden dort Anrufe noch hin und hergetragen?
Ich: „Gut, was mus ich tun?“
O2: „Die Kundenbetreuung anrufen.“
Ich: „Hab ich?“
O2: „Kann nicht sein.“
Nein, das will ich jetzt nicht ausdiskutieren. Denn der arme Mann hat sicher den Infobrief nicht geschrieben.
Ich: „Wohin muss ich mich also wenden?“
O2 diktiert mir eine 15-stellige 0180 usw. Nummer.

Ich wähle wieder.
Ein Freizeichen – dann „Wenn Sie einen DSL Anschluss beantragen wollen, drücken Sie die Eins, wenn Sie sich über unsere Tarife informieren wollen, drücken Sie die Zwei, wenn Sie Fragen zu Ihrer Festnetztelefonie haben, ….“ Nein, hab ich nicht.
Ich drücke auf Verdacht die Neun.

Musik. Musik. Musik (die gleiche wie vorher). Werbung „Wussten Sie schon….“ (die gleiche wie vorher).
36 Minuten später: „Herzlich willkommen in der O2 Kundenbetreuung. Mein Name ist [eine Ansammlung von Konsonanten]. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Ich: „Ich würde gerne meinen Vertrag bei Ihnen kündigen.“
O2: „Da sind sie hier falsch.“
Bitte nicht. Ich schweige noch ein bisschen.
O2: „Sind sie noch da?“
Ich: „Ja, ich hatte gehofft, Sie überlegen sich das noch einmal.“
O2: „Ich kann sie durchstellen.“
Ich bin heilfroh: „Ja bitte.“

Musik. Musik. Musik. 15 Minuten. Währenddessen mache ich Kaffee.
O2: „Herzlich willkommen in der O2 Neukundenannahme. Mein Name ist [eine Ansammlung von Konsonanten]. Wie kann ich Ihnen helfen?“
NEUKUNDENANNAHME?
Ich: „Ich möchte gerne meinen Vertrag bei Ihnen kündigen.“
O2: „Sie haben Glück. Da kann ich Ihnen heute ein besonders günstiges Angebot machen. Ultra-High-Speed-Surfer mit Extra-Speed VDSL 100.000 O2 All-In XL ein Jahr zum Preis von Normal-Surfer DSL 10.000 danach 39,95 Euro.“
Danach was?
Ich: „Alles klar!“
O2: „Darf ich das so notieren?“
Ich: „Nein.“
Stille.
O2: „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“
Ich: „Ja. Ich würde gerne meinen Vertrag kündigen.“
O2: „Wollen Sie eine schnellere Leitung?“
Ich: „Ich würde gerne meinen Vertrag kündigen.“
Es kommt mir schon vor wie ein Mantra.
O2: „Warum? Sind Sie unzufrieden mit Ihrer Datengeschwindigkeit?“
Ich: „Nein. Ich möchte meinen Vertrag kündigen.“
O2: „Sie können auch noch eine Telefon Super-Flat XL für die ersten 12 Monate kostenlos dazubuchen.“
Ich: „Nein danke. Ich möchte meinen Vertrag kündigen.“
O2: „Sind sie mit uns unzufrieden?“
Endlich, da war es.
Ich: „Langsam ja.“
O2: „Was ist der Grund für Ihre Unzufridenheit?“
Mit Blick auf 1 Stunde 49 Minuten auf meiner Telefonuhr kommt mir das tatsächlich vor, wie ein schlechter Witz.
Ich: „Ich möchte zu M-Net wechseln.“
O2: „Warum? Wollen Sie eine schnellere Leitung?“
Oh nein. Falsches Stichwort.
Ich: „Weil da ein persönlicher Kundenbetreuer vorbeikommt und mir zuhört.“
O2: „Alles klar. Ich vermerke ihre Kündigung und wünsche Ihnen einen schönen Tag.“

Liebes Call-Center von O2 und liebes Management: so wird das nichts.

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Im Keim ein Kapitalist?

Der BUND hat in einer Studie herausgefunden, das über 88 Prozent des “industriell gefertigten” Billig-Putenfleisches mit resistenten Keimen belastet sind. Finde den Fehler? Aus meiner Sicht gibt es da gleich mehrere. Denn weniger „billig“ noch „industriell“ noch „gefertigt“ lässt sich in meinem Kopf schlüssig mit dem Thema „Tier“ verbinden.
Aber der Konsument ist wohl leider dumm. Oder ignorant. Oder beides. Denn wenn das Putensteak über einen Euro kostet, kauft er es nicht. Ob es schmeckt oder nicht und wie es dem Tier dabei geht? Egal.

Resistente Keime sind diese wunderbaren Keime, gegen die kein Medikament mehr wirkt. Die wir uns aber durch übermäßigen Antibiotika-Konsum selbst gezüchtet haben. In Krankenhäusern sind sie gefürchtet wie die Pest.
Im Falle der Massentierhaltung entstehen die Keime dadurch, dass viel zu viele Tiere auf viel zu engem Raum gehalten werden. Damit sie das ihr kurzes Leben lang aushalten, werden sie mit Antibiotika vollgepumpt. Eigentlich ist das seit Jahren verboten, möchte man meinen.
Aber Kapitalisten sind findig: Nachdem diese Art der Tierzusammenpferchung (von “Haltung” möchte ich hier lieber nicht sprechen) ohne Antibiotika gar nicht funktioniert, findet sicherlich jeder Produzent einen korrupten Veterinär, der die Antibiotika weiterhin verordnet. Dann steht eben auf dem Rezept, dass die Tierchen krank waren. Was auch nicht weiter verwunderlich ist. Auf Beton. Im Neonlicht. Mit 10 Tieren oder mehr auf einem Quadratmeter.

Es wundert mich nun also auch nicht mehr, warum ich kürzlich vor einer OP eidesstattlich versichern musste, dass ich beruflich nichts mit Tierhaltung zu tun habe. Es besteht also die Angst, diese Keime in ein Krankenhaus einzuschleppen. Das möchte man doch vom Patienten dann lieber schriftlich. Noch gruseliger finde ich dabei, dass die Tatsache dieser Keime in der Tierhaltung soweit bekannt ist, dass sogar Formulare für Krankenhäuser gedruckt wurden. Das wiederum wundert mich im Zusammenhang mit dem angeblichen Neuigkeitswert der BUND-Studie.

Der Wahnsinn geht noch weiter. Erst vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass „die Wissenschaft“ oder besser bekannt als die Pharma-Riesen ein neues Antibiotikum gegen multiresistente Keime gefunden hätten. Kommt nur mir dieser zeitliche Zusammenhang seltsam vor? Es gibt ein neues Medikament und kurz darauf wird den Verbrauchern Angst gemacht, dass sie von Fleisch krank werden?

Ein Schelm, der dabei böses denkt.

E-Mail an mich #3

Heute einmal wieder ein besonderes Schmankerl aus der Kategorie: E-Mail an mich.

Mir völlig unbekannter Nutzer Z schreibt folgende Nachricht:

Tolles Foto. Respekt.

Und ca. 7 Minuten später:

„Krieg ich jetzt keine Antwort weil du automatisch nicht interessiert bist weil du mich nicht kennst? Ich hab einfach dein Profil besucht. Das war’s, und ich hab Interesse an Oldtimern u. Schönem, ganz allgemein. Daher mein Kommentar. Ich will jetzt nur nicht ein Niemand sein und keine Antwort erhalten. Ok?“

Eva Marie antwortet:

„Sehr geehrter Nutzer Z,
Ihrem Wunsch nach einer Antwort komme ich gerne nach.
Zunächst meinen Dank für die Blumen. Auch wenn dies ein wenig neuzeitlich ausgedrückt scheint, lese ich die Kombination aus „toll“ und „Respekt.“ als Ausdruck der Freude.

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie zum heutigen Zeitpunkt tatsächlich ein „Niemand“ für mich sind, da wir uns noch nicht vorgestellt wurden und Sie es offensichtlich nicht für nötig erachteten, Ihre Nachricht mit einem Absender zu versehen. Aus den gleichen Gründen kann ich keine Aussage darüber treffen, ob ich in irgendeiner Form interessiert bin.
Von automatisch kann hier allerdings weniger die Rede sein, denn alleine die Tatsache, dass mir jemand persönlich nicht bekannt ist, führt nicht zu einer wenn-dann-logischen Sprachlosigkeit oder gar Ignoranz meinerseits.
Sehr viel mehr sprachlos und desinteressiert machen mich allerdings die mangelnden Umgangsformen, die Ihre Nachricht erkennen lässt.Ihre Vorliebe für Schönes und Antikes überrascht an dieser Stelle im Kontrast zu Ihrer Wortwahl umso mehr. Vielleicht sollten Sie dieses Talent des Facettenreichtums tatsächlich weiter kultivieren. Nur wenigen gelingt ein solcher Spagat zwischen unterschiedlichen Stilrichtungen.

Aus der Perspektive einer Frau möchte ich Ihnen gerne einige Tipps mit auf den Weg geben:

  • „Respekt!“ mag jungend-umgangssprachlich ein Kompliment sein, dennoch empfinden viele Synonyme wie „schön“ oder „attraktiv“ als charmanter und aussagekräftiger.
  • Ein einziger Profilbesuch führt nicht automatisch dazu, sich zahlreiche Stufen des Aufbaus einer Kommunikation zu ersparen. Die Damen bekommen Ihren Besuch in der Regel nicht mit, da er virtueller Natur ist.
  • „Ich will kein Niemand sein“ lässt sich tatsächlich besser in einem „ich würde mich gerne mit Dir / Ihnen unterhalten“ oder ähnlichem ausdrücken.
  • Ein „Ok?“ am Ende einer Nachricht ist besser mit einer Grußformel zu ersetzen. Dies führt tatsächlich zu einer wohlwollend-freundlichen Anmutung und weniger zu einem Kommandoton.
  • Generell ist es ratsam, in einer ersten Kontaktaufnahme auf Kommandos zu verzichten, da Sie nicht automatisch davon ausgehen können und vor allem sollten, dass Ihr gegenüber gedient hat oder dem Militärwesen zugeneigt ist.

Ich wünsche weiterhin viel Erfolg!

Mit respektablen Grüßen
EM“