Zeit der Stille

Zeit der Stille – so heisst es. Wenn das Stille ist, dann will ich Laut nicht erleben.
Kaum öffnen sich die Türchen des Adventskalenders, verschließen sich die Menschen. Werden unfreundlicher. Rücksichtsloser. Aufgebrachter.
Hektik in den Straßen, niemand kann mehr Auto fahren, alle hetzen von Geschäft zu Geschäft, um schnell noch irgendetwas zu besorgen, irgendetwas zu erledigen.

Überall in der Stadt Weihnachtsmärkte mit Boxen aus denen „Stille Nacht“ scheppert. Fast schon schöne Ironie. Natürlich überfüllt mit Menschen. Menschen, die aus Tassen, die man sonst nur mit Hygienehandschuhen anfassen würde, völlig überteuerten und überzuckerten, lauwarmen Glühwein trinken. Für die gute Stimmung und das richtige Gefühl.

Wo wir schon beim Thema Gefühl sind. Das Fest der Liebe. Durchaus. Niemals herrscht in Haushalten mehr Gefühl, als an Weihnachten. Die ganze Palette gibt es da komprimiert zu erleben.
Aus gesicherter Quelle wurde mir zugetragen, dass die Rate der Stichverletzungen durch Messer, die in die Notaufnahme kommen, niemals höher ist als an den Weihnachtsfeiertagen. Schnittverletzungen. Die wären zu erklären. So drastisch muss es nicht gleich enden, aber es ist kaum verwunderlich, dass sich diese ganze Anspannung, Hektik und Raserei irgendwann entladen muss. Wenn dann 3 bis 10 Familienmitglieder, die sich in der Regel nie alle auf einmal sehen, feststellen, dass es auf dem Höhepunkt des Weihnachts-Count-Downs nichts mehr gibt das vorgeschoben werden kann, nicht mit dem Rest der Familie zu reden.
Schließlich ist es jetzt still. Endlich. Am 24.12. um 16 Uhr am Kaffeetisch. Ruhe. Bis der erste den Mund aufmacht. Auf diesen Moment haben alle gewartet.  Ganz egal, welchen Funken dieser eine, unvorsichtige Mensch in das Familienpulverfass wirft, es geht los.

Sohn:“ was gibt’s denn heut‘ zum Essen?“
Mutter: „Werst dann scho segn. Isst ja eh wieder koana wos vor lauter Platzerl. Den ganz’n Tag steh‘ i scho‘ in da Küch‘.“
Vater: „I hob da ja glei g’sagt, Würschtl reichen….“
Mutter: „hauptsach Wurscht…. an Weihnachten. Soweit kimmt’s no.“

Besinnliche Stille.

Tocher: „Ich geh‘ ins Bad….“
Vater: „A nix – schee gnuag bist. Hilfst besser da Mama!“
Mutter: „Na de brauch‘ i in da Küch ned a no …“

Weniger besinnliche Stille.

Vater: „Ich fahr dann los und hol‘ die Omma ab.“
Mutter: „Des konnst scho macha, aber dann feier‘ i des Jahr in der Garage, des sog i da.“
Sohn: „Ich fahr‘ mit….“

Nur noch Stille. Vielleicht endlich.

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