Pure Freundlichkeit.

Es ist sonnig, ich habe gute Laune und denke spontan an eine Freundin. Ich schicke ihr einen schönen Gruß per SMS. Einfach so. Ich finde, man kann schon mal einen schönen Gruß versenden.
Postwendend bekomme ich eine Nachricht zurück: „ah – sorry, ich hab Dir das xy noch nicht geschickt.“ Das erschreckt mich. Denn, ich habe an xy gar nicht mehr gedacht und ausserdem ist heute ja kein Arbeitstag.
Mein Gedanke: „hee, ich kann auch freundlich sein, ohne was zu wollen?“

Dennoch beschleicht mich nach und nach das Gefühl, dass wir das Vertrauen in die Menschheit verlieren. Denn es wäre doch seltsam, wenn jemand einfach nur freundlich ist. Ohne etwas zu wollen? Ohne Hintergedanken und ohne Kalkül? Einfach ein Kompliment manchen, ohne sich etwas zu erwarten? Um des Komplimentes Willen? Einfach mal Hallo sagen, ohne gleich eine Gegenleistung zu erwarten? Einfach deshalb, weil wir uns freuen, den anderen zu sehen zu hören oder an ihn zu denken? Umgekehrt auch einfach ein Hallo oder ein Kompliment annhemen, ohne gleich den Schutzanzug auszupacken?

Wobei: ich habe mich durchaus schon bei dem Gedanken erwischt, wenn sich jemand lange nicht gemeldet hat und ich plötzlich eine nette Mail oder einen Anruf bekomme. Mir gedacht: „Was will der oder die auf einmal?“ Und leider ist es tatsächlich oft so, dass im Nachsatz dann eine Forderung auftaucht. Und ich sage bewusst Forderung und nicht Bitte. Nein, es geht nicht darum, dass jemand etwas fragt oder einen Tipp braucht oder der Meinung ist, ich könnte das wissen oder im Rahmen meiner Möglichkeiten helfen. So etwas mach ich gerne und ich freue mich, wenn ich irgendwo ein Problem lösen darf. Ein kleines Superhelden-Gen haben wir doch alle.
Ich meine Menschen, die man irgendwo einmal flüchtig kennen gerlernt hat. Menschen, mit denen man z.B. gemeinsam an einem Kurs teilgenommen hat und man wechselseitig gerade mal den Vornamen und Eckdaten wie „der, mit dem blauen Auto“ oder „die, mit der gelben Tasche“ weiß. Wenn diese Menschen nach 10 Jahren auftauchen, einen schönen Gruß schicken und im zweiten Satz nach 5.000 Euro fragen, weil sie ihr Auto zu Schrott gefahren haben. Und nein, ich habe keine Banklizenz oder solche Summen spontan in irgendeiner Keksdose „vergessen“. Frei nach dem Motto: „klar, kannst Du haben, ich brauch’s eh grade nicht.“ Vielleicht ist es schlimm, dass das Auto kaputt ist. Kann ich verstehen. Aber es ist genauso schlimm, einfach kein Gespür für Verhältnismäßigkeiten zu haben.
Solche Erlebnisse machen die anderen kleinen „Hallos“ kaputt und ersticken Komplimente förmlich wie Unkraut.

Ich finde, wir sollten wieder lernen uns spontan zu freuen, wenn jemand nett ist und nicht zu lauern, was als nächstes kommt. Und wir sollten auch öfter einmal einfach frendlich zueinander sein, ohne im zweiten Satz etwas zu wollen oder zu erwarten.

 

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2 Gedanken zu “Pure Freundlichkeit.

  1. Daran, dass Erfahrungen Erwartungen prägen, lässt sich nichts ändern. Wichtig ist allerdings, zu erkennen, dass man den Pool derer, deren Verhalten zukünftige Erfahrungen beeinflussen, so weit wie möglich kontrollieren sollte. Wenn man jedoch negative Erfahrungen potentiell auf alle extrapoliert, kann das schon zu Rückzug und Verschlossenheit verleiten.

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