Möchtegernstars

Kennt Ihr auch diese dreisten Menschen? Die ohne jeglichen Anstand ihren eigenen Vorteil durchdrücken wollen und nicht annähernd über so etwas wie emotionale Intelligenz oder Einfühlungsvermögen verfügen?

Nach einen Erlebnis der anderen Art, neige ich schon wieder dazu, in ein “früher war alles besser” und vor allem ein “früher waren WIR besser” zu verfallen.

Meine Eltern haben mir beigebracht, dass es so etwas gibt wie “in der Schuld stehen”. Dass es völlig in Ordnung, ja sogar gut ist, jemanden um einen Gefallen zu bitten. Dass dann aber so etwas entsteht wie eine gefühlte offene Rechnung. Innerlich und nicht ausgesprochen, aber sie ist da. Für mich persönlich ist es Ehrensache, dass ich mich erkenntlich zeige, wenn mir jemand einen Gefallen tut. Schließlich möchte ich meinem Gegenüber mitteilen, dass ich es wertschätze, wenn er oder sie sich für mich einsetzt.
Natürlich kann es auch sein, wie bei jeder Frage, dass der- oder diejenige ablehnt, wenn ich etwas nachfrage.

Ein Dialog:
(zur Ergänzung: ich kenne die Band nicht (wahrscheinlich tut das niemand), ich weiß nicht, ob ich die Musik mag (wahrscheinlich eher nicht) und von den Protagonisten habe ich eine Person in der Vergangenheit kurz kennengelernt. Wir sind also weit weg von “Freundschaftsdienst” oder “mach ich natürlich gerne, für meine guten Freunde, um sie zu unterstützen”.)

Anonymer Kunde: “Du musst für 6 Personen für einen Videodreh unserer Band die Haare machen! Das ganze findet am Ende der Welt am Freitagabend statt.”
Ich: Das kann ich gerne machen. Aber ich hoffe, Ihr versteht, dass ich mit Anfahrt und Material und einem Zeitaufwand von 4 bis 6 Stunden eine kleine Aufwandsentschädigung nehmen muss?
AK: “Das ist uns zu teuer. Du darfst ja auch beim Dreh zuschauen!”
Ich: Entschuldigt, aber unter diesen Voraussetzungen muss ich leider ablehnen.
….. ca. 5 Stunden vergehen
AK: “Schatzi (da war es wieder…. SCHATZI!!), was’n jetzt?”
Ich: Wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts geändert hat: leider immer noch nicht.
AK: “Hey, glaubst Du eigentlich, dass wir das jetzt alles absagen, nur weil Du rumzickst?”

(es gibt ca. 1.000 Varianten einer Antwort, die ich alle nicht gegeben habe. Denn es gibt diese Affekt-Momente, die einem später unfassbar Leid tun.)

Ja. wenn das “Rumzicken” ist, dann bin ich tatsächlich zickig. Was für mich so etwas wie eine Premiere ist.
Mir fehlt hier nämlich vor allem eines: Anstand. Bei einem Amateur-Videodreh einer nicht vorhandenen (und vor allem: unfreundlichen!) Band zugucken, ist nicht das, was ich mir unbedingt für einen Freitagabend vorstelle. Wahrscheinlich ist das “unfreundlich” tatsächlich der ausschlaggebende Punkt.
Es geht mir auch nicht darum, in Euro und Cent entlohnt zu werden. Es geht mir vielmehr darum, eine Art Wahrnehmung sehen oder fühlen zu wollen, dass 5 Stunden Styling einen Gegenwert haben. Sonst hätten die Damen und Herren wohl selbst zu Haarbürste und Haarsprayflasche gegriffen. Dieser Gegenwert ist auch wunderbar in Freundlichkeit, Guter Laune, Kirschsaftschorlen, Autowaschgutscheinen, Apfelkuchen oder was auch immer auszugleichen.

Tatsächlich: falls Ozzy Osbourne anfragt, ob ich ihm für’s Konzert die Haare mache, würde ich das umsonst machen, wenn mir angeboten wird, danach das Konzert zu sehen. Aber ich bin mir fast sicher, dass sein Management vorher nach meiner Gage fragen würde. Auf die ich dann selbstverständlich aus freien Stücken verzichten könnte.

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2 Gedanken zu “Möchtegernstars

  1. Ich denke mir oft das nur ich persönlich betroffen bin.. aber scheinbar haben wir, unsere Generation 30+, wirklich Probleme damit für unsere erbrachte Leistung.. whats-o-ever .. entsprechende Wertschätzung zu bekommen.

    Es wird immer mehr als selbstverständlich gehalten…
    Meistens (ca. 80%+) nicht mal ein „Danke“ … oder „Es wäre sehr hilfreich wenn…“
    im Gegenteil… on Top of that .. – man wird wüst beschimpft oder bekommt einen „Arschtritt“ wenn man es dann mal gut meint… und es nicht zum erwünschten Ergebnis kommt..

    Wo soll das enden? Sich anpassen? Wie du mir – so ich dir?
    Das macht es nicht besser. Langfristig gedacht. Also was ist die Lösung……….?!

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    1. Die Frage nach der Lösung stellt sich tatsächlich und das in vielen Bereichen.
      Für mich persönlich kommt in diesem Fall anpassen nicht in Frage. Ich habe mir höchstens vorgenommen, für solche Personen höchsten einmal „den Deppen“ zu spielen. Ob das funktioniert? Ich werde berichten…..
      Einen schönen Sonntag!

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