Versprochen! Oder auch nicht.

Eine Freundin sagte letzten zu mir: „ich erwarte einfach nichts mehr, dann werde ich auch nicht enttäuscht.“ Und ich fing einmal wieder an zu Denken.
Denn diese Aussage hat durchaus zwei Seiten, wie mir scheint.
Die Selbstschutzseite. Die Seite, die uns in eine sicher Welt bringt. Wenn wir einfach nicht erwarten, dass jemand zum Date oder zum Dinner kommt, die versprochene Hilfe leistet oder uns anruft, dann sind wir auch nicht enttäuscht, wenn es nicht passiert. Denn damit haben wir ja gerechnet. Und es kommt noch besser: hält der- oder diejenige das Versprechen doch, freuen wir uns sogar, weil etwas unerwartet positives passiert.
Aber ist es tatsächlich richtig und sinnvoll, in einer pessimistischen Welt zu leben? An nichts und niemanden zu glauben? Und immer nur das Schlechte zu sehen und zu erwarten? Mir gefällt das nicht.

Dann gibt es die Gegenüberseite. Warum gibt es da draussen so viele Menschen, die reden und nicht handeln, die versprechen und nicht einlösen? Die mit den Gefühlen des Gegenüber spielen, wie mit Schachmännchen? Die sich zu keiner Sekunde Gedanken über ihr Handeln machen und sich neimals fragen, was sie bei anderen anrichten? Oder – noch schlimmer – damit zu ihrem eigenen Vorteil kalkulieren, anderen weh zu tun oder sie zu enttäuschen?

Es könnte doch so einfach sein. Denn viel reden ist einfach. Viel versprechen auch. Mit den Einhalten wird es dann schon schwieriger. Aber wie wäre es, wenn wir erst denken und dann versprechen und dann konsequent auch einhalten? Ich komme aus einer Welt, wo es noch ums Wort ging. Wenn jemand sagte „Du hast mein Wort.“ dann war das einem Vertrag gleichzusetzen. Wenn etwas versprochen wurde, wurde es eingehalten. Ohne Wenn und Aber. Und damals hatte man noch ein verdammt schlechtes Gewissen, wenn etwas Unvorhergesehenes passierte und man nicht mehr sicher war, ob man das Versprochene auch halten könne.
Allerdings: Wenn man schon vorher wusste, dass es schwierig werden würde, hat man es eben nicht versprochen. Insofern wurde nicht ganz so viel versprochen, aber umso mehr gehalten.

Vielleicht ist es mit den Versprechen wie mit allem: wenn sie zu inflationär verwendet werden, sind sie nichts mehr wert.

 

 

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