Zwangsbefreundet.

Kennt Ihr diese Menschen, die von Null auf Hundert beste Freunde mit Euch sein wollen? Ungefragt? Ohne auch nur ein kleinstes Bisschen auf Eure eigenen Gefühle und Befindlichkeiten zu achten? Ohne zu fühlen, ob es ein Echo gibt?

Es mehrt sich diese Spezies Mensch, die sich mit anderen schmücken möchte. Die jemanden zu ihrem Freund erklärt, weil er ihnen gut steht. Die mit dem Presslufthammer durch die emotionale Haustür stürmen, uns kidnappen und in ihre Vitrine stellen wollen. Die mich des morgens (jeden morgen!) mit „Mausi“ auf Facebook begrüßen, unwissend, dass ich davon extrem schlecht gelaunt werde (es sei denn, es ist meine Freundin…)
Die mich als „meine beste Freundin“ vorstellen, obwohl wir das überhaupt allererste mal (beruflich) zusammen auf der Bildfläche erscheinen.

Es gibt diese Begegnungen von Menschen, die sich sofort sympathisch sind. Wo sich nach einem kurzen Gespräch das Gefühl einstellt, sich schon ewig zu kennen, sich nur eine zeitlang nicht gesehen zu haben. Daraus können sich oft wunderbare Freundschaften entwickeln. Ich betone: entwickeln!

Es gibt Bekannte, Kollegen, Kommilitonen, Freude von Freuden, Passanten, die nett sind. Die ich mag, die mir sympathisch sind und mit denen ich sehr gerne Zeit verbringe. Und oft ist es auch umgekehrt. Eine – gewollte – wunderbare Oberflächlichkeit. Eine Fassade aus Spaß, die gut tut, um abzuschalten.
Ein Kreis von Menschen, in dem man sich wohl fühlt und in dem man sich gerne bewegt. Und das hat rein gar nichts mit einer Klassifizierung zu tun, es ist lediglich die Definition von Bekanntenkreis.

Freunde hingegen sind etwas ganz Besonderes.
Tiefgreifend. Menschen, mit denen wir lachen UND weinen können. Die immer füreinander da sind. Die Nachts um drei ohne ein Fragezeichen losfahren, um sich gegenseitig zu helfen. Völlig egal, wann der Wecker klingelt oder ob es draussen kalt ist.
Menschen, die sich gegenseitig in- und auswendig kennen. Die an einem Zucken im Mundwinkel sehen, was los ist. Die uns einen Tee kochen, wenn uns kalt ist und uns eine Extra-Kugel Eis in den Eiskaffee tun, wenn es heiß ist. Die fühlen, wann sie anrufen müssen und genauso gut wissen, wann sie wieder auflegen sollen.
Die mit uns gemeinsam Schweigen können. Die das gleiche denken ohne es auszusprechen zu müssen. Die sich gegenseitig beflügeln und bremsen, wenn es notwendig ist.
Die uns an den Kopf werfen dürfen, wofür wir andere spontan töten würden und wir sogar dankbar dafür sind.
Die wir gerne in die geistige Umkleidekabine mitnehmen und trotzdem alle Hüllen fallen lassen.
Freunde sind Menschen die SICH mögen. Nicht das was sie tun, wissen, können, darstellen, besitzen oder vortanzen.

Freunde sind Menschen, die uns einfach in den Arm nehmen, auch wenn niemand zusieht oder den „Gefällt mir“ Knopf drückt.

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4 Gedanken zu “Zwangsbefreundet.

  1. wohl dem, der solche „Freunde“ hat oder aber erkennt, wer sich dazu entwickeln / mutieren kann … trotzdem können diese Allianzen auch flüchtig oder vergänglich sein und leider investiert man viel zu oft in diese Verbindungen und wird sehr enttäuscht ! Wenn man aber diesen „Schatz“ gefunden hat ist er unendlich wertvoll .. manchmal ein Leben lang .. aber sehr selten ! Die von die Erstbeschriebenen sind gierige, oberflächliche Wesen, die sich mit gerne Schönem schmücken .. weil sie selbst es nicht sind …

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  2. Schön geschrieben! Ich sehe es genauso und ich weiß, welchen Typ Mensch du meinst. Solche Menschen rufen bei mir immer das Gegenteil hervor, ich mache mich eher rar, denn ich fühle mich dann schnell eingeengt. Wer mich schnell Schätzlein, Hasi, Mausi nennt kann weiteres vergessen, da reagiere ich allergisch drauf. Ich kenne solche Kollegen auch, sie sind aber eher männlich. *grrr*
    Auf Facebook spielen sich die meisten Kontakte sehr oberflächlich ab, eine echte Freundschaft benötigt keine Portale.
    LG, Emma

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  3. Und die wahren Freunde erkennt man häufig erst in Krisensituationen: Als mein Mann vor acht Jahren erkrankte, waren zunächst alle sehr bekümmert. Heute gibt es weniger Freunde als Finger an einer Hand. Pflege erfordert halt Zeit und Kraft. Und mit den Jahren … tja …

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