Am Ende gibt es stilles Wasser.

Kennt Ihr diese Menschen, die immer irgendetwas nicht essen? Nein, ich meine nicht die, die an Erdnüssen sterben, denen von Milch schlecht wird oder deren Gicht bei Tomaten schlimmer wird. Das ist verständlich. Und ein Selbstschutzmechanismus, wenn man sich das nicht noch einmal antun will.

Aber. Und jetzt kommt das große Aber. Lädt man 6 Menschen zum Essen ein und plant einen Grillabend, artet das aus. Person eins isst kein Fleisch. Gut, dann gibt es natürlich Folienkartoffeln mit Quark, Grillgemüse, Maiskolben und Salat. Und diese Soja-Ersatzschnitzel. Machbar. Person 2 isst keine Milchprodukte. Also gibt es Kartoffeln ohne Quark oder wahlweise mit einem Soja-Quark-Ersatz-Produkt. Dazu muss ich mir allerdings ein veganes Kochbuch zulegen, weil ich erst lernen muss, mit diesem neuen Produkt etwas essbares hinzubekommen. Meine Gäste sollen es ja schön haben. Person 3 möchte nicht, dass ihr Gemüse auf dem selben Grill liegt, wie das Fleisch. Denn Fleisch sind tote Tiere und dies soll nicht in das Gemüse diffundieren. Also wird ein zweiter Grill aufgestellt. Denn sonst ist Person 6 beleidigt, wenn es kein Fleisch gibt. Schließlich grillen wir ja. Und historisch gesehen hat Grillen etwas mit Steaks und Grillwurst zu tun.
Person 4 mag Tomaten nur ohne Haut. Also werden alle im Nudelsalat befindlichen Tomaten vorher mit heissen Wasser gebrüht und abgezogen. Denn es sollen ja alle vom Salat essen wollen. Mayonnaise kann allerdings nicht stattfinden, denn da sind Eier drin. Das wäre für Person 3 schrecklich, weil die ja vom Huhn kommen.
Person 4 isst keine Gurken. Die findet sie irgendwie eklig. Und kein Fleisch. Zucchine wären auch nicht gut, das ist ja sowas wie Gurken. Gut. Gibt es Auberginen mit Knoblauch-Öl. Knoblauch-Öl findet Person 5 allerdings schrecklich und sie isst nichts, was von dem Grill kommt, auf dem die Knoblauch-Aubergine lag, schließlich hätte sie am Montag einen wichtigen Termin und möchte nicht SO riechen.
Person 5 isst keine Kohlehydrate. Also Kartoffeln, Nudelsalat, selbstgemachtes Ciabatta? Fehlanzeige. Also wird noch fix ein anderer Salat gemacht (natürlich mit gehäuteten Tomaten für Person 4 und ohne Mayonnaise für Person 3.
Person 6 findet Olivenöl eklig. Also muss abgewogen werden, ob alles mit Sesamöl gekocht wird. Was allerdings Personen 1 bis 5 nicht mögen, weil dann alles schmeckt wie im Chinarestaurant. Außerdem mag sie diesen ganzen Gemüse-Schmarrn nicht, denn schließlich grillen wir ja. Also wird ein Extra-Salatschälchen mit Sesamöl für Person 6 gemacht.
Wenigstens einer, der das ganze Fleisch aufisst, dann darf er gerne Salat haben.

Puh. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn sich Menschen nach ihren eigenen Vorstellungen ernähren. Aber diese Entwicklung ist zugegeben ein wenig unsozial (ich sage bewusst nicht asozial). Denn wenn jetzt auch noch Leute dabei sind, die keine Säfte trinken, wegen der Säure und andere keine Limo wegen des Zuckers und Alkohol ist auch böse? Dann sitzen wir – um es allen Recht zu machen – bei einer Flasche stillen Wassers auf der Terrasse und essen Karottensticks. Ohne Salz (denn das lagert im Körper Wasser ein).

 

 

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Veröffentlicht in Leben

4 Gedanken zu “Am Ende gibt es stilles Wasser.

  1. Ich sehe die Dinge anders, man muss nicht auf die Essgewohnheiten von jedem Gast eingehen. Eine bestimmte Allergie kann man beachten, der Gast muss damit rechen, dass man nicht auf seine Wünsche eingeht, wenn es eine größere Feier gibt.

    Bei mir ist es z. B. so, dass ich ungern Fleisch koche. Ab und zu esse ich was, bin es aber nur ungern am vorbereiten. Der Besuch muss damit leben, dass er bei mir kein Fleisch wahrscheinlich zum essen bekommt.

    Essen ist nicht der Hauptgrund für ein Zusammentreffen. Ich mag mich sowieso nicht mit Menschen umgeben, die stets am Essen etwas auszusetzen haben und im Restaurant das Menü auf den Kopf stellen, weil sie zig Extrawünsche haben. Meistens sind das Menschen, die witzigerweise selbst gar nicht kochen. Manche tun es um Aufmerksamkeit zu bekommen oder sich wichtig zu machen. Ein Graus jedes Gastronomen.

    LG
    Emma

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    1. Liebe Emma, danke für Deine Gedanken. Ja, ich komme auch aus einer Zeit, in der mit Freude gegessen wurde, was es eben gab. Man war neugierig, hat alles ausprobiert und es war schön, einmal anderswo etwas zu bekommen, was es zu Hause nicht jeden Tag gibt. Natürlich verstehe ich Menschen, die wirklich krank werden, von manchen Nahrungsmitteln. Aber ich gebe Dir mit der „Aufmerksamkeits- und Wichtigtuer-Masche“ völlig Recht.
      Eine schöne Woche für Dich!
      LG, Eva Marie

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  2. Du kannst Freunde haben. 😉
    Das kenne ich glücklicherweise nicht. Es gibt normal immer genug Auswahl, dass für jeden was bei ist. Und wenn einer meint, doch etwas über die strenge zu schlagen, dann bleibt halt für ihn allein nur das stille Wasser aber bisher haben alle immer schön mitgegessen.

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