Vollbremsung.

Kleine Grenzerfahrung der mentalen Art des heutigen Tages. Nein, es ging nicht um Leben und Tod, aber um das Vertrauen in das eigene Bauchgefühl.

Wir üben einmal wieder Gefahrenbremsung. Nein, dagegen habe ich ganz und gar nichts einzuwenden, denn es ist durchaus sinnvoll und lebensrettend, wenn man bremsen kann. Und zwar ordentlich. Auch auf Rollerblades und Skiern war das erste was ich wissen wollte: wie halte ich wieder an? Alles andere geht dann schon.
Heute auf gut motorisierten 2 Rädern, mit Ted Nugent (das Alter Ego meines Fahrlehrers) im Ohr, auf einer Baustellenzufahrtsstraße. Die Straße blitzt selbstverständlich vor Sauberkeit. In der Theorie hatte ich immer noch brav angekreuzt „ich vermeide zu bremsen, zu kuppeln und fahre keine Schräglage“ falls von verschmutzter Fahrbahn die Rede war. Aber: Eine andere Möglichkeit des Übungsplatzes gibt es laut Ted momentan nicht. Er ist der Boss.
Zusammenfassend soll ich nun also mit 50 Sachen über den ganzen Staub fahren und dann so feste es geht in die Eisen steigen. Aufgabe verstanden.
Über Funk höre ich „Spiegel-Blinker-Schulterblick“ (der charakteristische Satz eines jeden Fahrlehrers und ein Synonym für „losfahren“) des Weiteren: „langsam anfahren und beschleunigen.“ Mein Lieblingszusatz: „selbständig hochschalten.“ Ja, wer denn sonst? Ich fahre brav 54 km/h, lt. Tacho, und sobald Ted „stop“ brüllt, bremse ich. Das Hinterrad blockiert eine Nanosekunde, aber ich komme zackig, gerade und v.a. sicher zum Stehen. Sogar locker innerhalb des vorgegebenen Bremswegs. Fein, denke ich mir.
Ted ist allerdings anderer Ansicht: „Da musste schon fester reinlangen. Da passiert schon nix.“ Ich will grade noch ansetzen, dass doch das Hinterrad schon blockiert hätte und wenn ich nun noch stärker bremsen würde, ich mir nicht sicher….. Habe aber einmal wieder verdrängt, dass diese ganzen Abers einfach stumm unter meinem Helm verklingen. Fahrlehrer wissen schon, warum sie mit One-Way-Funk arbeiten. Es bleibt also nur, zu nicken. Immer. Das ist genau mein Ding. Zuhören – Klappe halten. Schon alleine aus diesem Grund ist Fahrschule für mich eine Art Grenzerfahrung.
Da funkt es: „Spiegel-Blinker-Schulterbilck“. Gut, ich fahre zum Ausgangspunkt zurück, drehe rum, beschleunige langsam und schalte selbständig hoch. Wer auch sonst. Von dem ganzen Staub komme ich mir schon langsam vor wie auf der Ralley Paris-Dakar. Zumindest haben die Fahrer wahrscheinlich den gleichen sandig-erdigen Geschmack im Mund. Vom Rest bin ich noch eine Weile entfernt, das Feeling passt aber schon einmal.

Gleiches Spiel, ich fahre 54 km/h, Ted funkt „stoooooop“ – ich „lang fester rein“ (nein, nur gaaaaaanz bisschen mehr als vorher) und: das Hinterrad überholt mich förmlich. Bremsen kurzzeitig loslassen. Keine Chance. Lenker weiterhin festhalten. Keine Chance. Und – PENG – liegt das neue Fahrschul-Motorrad samt mir auf der Straße.
Ted funkt ausnahmsweise nicht, sondern kommt sofort angerannt. Nein, mir ist nichts passiert. Ted kommentiert: „ja, dann war das vorhin schon gut. Ich muss mich ja auch erst an die neuen Maschinen in dieser Saison rantasten.“ Wenn ich helfen konnte: gern geschehen.

Was sich allerdings wieder einmal bestätigt: es ist doch immer besser, auf das eigene Gefühl zu vertrauen. Und wenn ich der Ansicht bin, dass es gut so ist, wie ich „hinlange“, dann mach ich das auch in Zukunft so.

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