Komplementärfarbensocken.

Behördenfreuden. Und schön zittern meine Augen wieder.
Der Anfang der Geschichte: vor etwas 4 Wochen habe ich über’s Netz etwas aus China bestellt. Kein großes Ding, will man meinen, in unserer so fantastisch global vernetzten Wirtschaftswelt mit tausendfach diskutierten Frei- und Handelsabkommen.
Die Chinesen hatten es im Griff: bereits 2 Tage später meldet die DHL-Sendungsverfolgung: „Ihr Paket ist in der Zollabfertigung in Frankfurt angekommen.“ Prima. Das geht ja schneller, als einen Brief nach Fürstenfeldbruck zu schicken (zu meiner Verteidigung: mein Steuerberater sitzt dort, darum weiß ich, wie lange ein Brief nach FFB braucht). Seither: Totenstille. Die Sendungsverfolgung sagt: Frankfurt. Zoll. Täglich.

Ganze 3 Wochen später bekomme ich einen wichtigen A5 Umschlag von der Deutschen Post: „Ihre Zollsendung ist da. Bitte sofort öffnen.“ Sofort. Natürlich. Jetzt muss es schnell gehen, denn sonst ersticken die in Paketen, die sie seit 4 Wochen sammeln. Ich soll mich im Zollamt in Garching-Hochbrück einfinden. Innerhalb der nächsten 10 Tage, sonst geht das Paket zurück nach China.

Ich drucke noch fix die Rechnung aus, um größere Bühnenspektakel zu vermeiden. Letztens musste ich ein Sweatshirt (ein Geburtstagsgeschenk meiner Schwester aus den USA) verzollen. Und nachdem ich logischerweise keine Rechnung hatte, durfte ich meinen Geburtstag gemeinsam mit dem Zollbeamten feiern, gleich vor Ort auspacken und im Internet recherchieren, was der Pulli wohl kostet, um dann 2,85 Euro mit Kreditkarte zu zahlen. Glückwunsch!

Also. Morgens. 9.00 Uhr. Zoll. Kein weiteres Publikum. Was ein Glück. Dafür 2 Zollbeamte in Strickpullovern, die deren Ur-Omas vor 45 Jahren gestrickt haben. Qualitätswolle war das damals noch. Drum können die Pullover immer noch getragen werden. Sind ja noch gut. Dazu: Gesundheitssandalen. Natürlich mit Socken in Komplementärfarbe.
„Ha?“ Guten Tag, ich möchte gerne diese Sendung hier abholen. Ich schieben meine Unterlagen über den Tresen. Der Beamte plaudert in halber Lautstärke mit seinem PC und hat 5 Minuten später auch schon eine 4-Stellige Nummer, mit der er im Lager verschwindet. Lager meint den Raum, dessen Endausläufer so unordentlich erkennbar sind, dass ich mich frage, was dort alles verschollen ist.
Und „verschwinden“ meine ich so, wie ich es sage. Er ist weg. Nach 11 Minuten frage ich seinen Kollegen, ob es im Lager auch einen Hinterausgang gäbe. „I schaug amoi.“
Nach weiteren 5 Minuten tauchen die beiden Beamten wieder auf. „Des homma nimma.“ Bitte? „I find’s net.“ Und jetzt? „Ja, da müssen’s eine Verlustanzeige stellen.“ Gut – hilft ja nix. Ich bekomme ein hellgrünes Formular, in das ich meine ganze Lebensgeschichte einfüllen soll. Ich zucke mit den Schultern, geb‘ mein Formular ab und verabschiede mich. Die Antwort: „An scheena Fasching!“ Ja, DAS glaub ich.

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