Der Gummimann und die Wolkenarme

So soll’s mal aussehen, wenn es fertig ist.

Großartig. EvaMarie lernt Zumba. Mit der Betonung auf lernt. Eieiei.
Die Idee: überall gibt’s Zumba, sogar bei HSE24 und alle, wirklich alle gehen hin. Nicht dass dass für mich ein Kriterium wäre, etwas zu machen. Aber der ganze Stundenplan im Fitness-Center ist voll damit. Und nachdem ich anstrengenden Sport, bei dem ich merke, dass ich Sport mache, gar nicht so mag, geh ich lieber zu irgendwelchen Stunden, in denen mir jemand etwas vorhampelt. Da bin ich so beschäftigt, synchron mitzuhampeln, dass ich völlig vergesse, dass ich mich bewege. Nachvollziehbar?

Ich muss dazu sagen, ich bin Tänzerin. Zumindest früher mal. Jazz, Klassik, Standard-Tanz. Und bisher war ich der Meinung, dass ich meine Extremitäten ganz gut im Griff hätte und irgendetwas ähnliches wie eine anmutige, flüssige Bewegung schon ganz gut hinbekomme. So ein paar Latin-Moves? Easy….

Also los. Zumba-Stunde im Fitness-Studio. Der Saal voll. Mit normalen Menschen. So schlimm wird’s nicht werden.
Zu Latin-Music kommt ein Pool-Animateur, der augenscheinlich aus dem Club-Med oder von der Aida ausgebrochen ist, in den Raum gesprungen und nimmt den Platz vorne ein. Ein kleiner kolumbianischer Gummimensch mit perfekt ausgezirkeltem 3-Tage-Bart, Baggy-Pants und Muscle-Shirt. „Are you reeeeeady?“ Weiß ich noch nicht.
Und los geht’s. Ohne was zu sagen einfach mitmachen. Mitmachen. Gut. Beine, Salsa, geht. Arme dazu… moment …. neuer Move. Bein hoch. Nach zwei Schritten: Merengue. Fein. Doch Salsa. Diesmal nach hinten versetzen. Arme!!!! Und dann ein kleiner Shake. Neue Beine…. ARME!!! Puh. „Habt Ihr noch Luft?“ lässt Gummimann frenetisch verlauten. Luft ja, aber einen Knoten in den Armen.

Ich erinnere mich an das innere Lächeln und die Wolkenarme aus der Tai-Chi Stunde davor. Dann mach ich einfach Wolkenarme. Merkt ja keiner, wie ich das innerlich nenne. Und Gummimann läuft zu Hochform auf.
Und ja, es macht wahnsinnig Spaß, zu fetziger Musik – die eigentlich gar nicht meine ist, mich aber irgendwie automatisch tanzt – durch den Saal zu hampeln. Trotz allem. Da geh ich wieder hin. Wenn ich meine Arme ausgeknotet habe.

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