Pferd, faire Preise und das Selberkochen

In der Medienlandschaft dieser Tage wird die Sexismusdebatte mehr und mehr durch ein Pferd abelöst. Nämlich welches, das kürzlich in einer Lasagne allseits bekannter Discounter aufgetaucht ist.
Und schon geht ein Ruck durch die Gesellschaft. Skandal! Kurz aber laut mit maximalem Gruselfaktor.

Ernsthafte Gedanken machen sich breit. Denn: wenn wir eine Fertiglasagne für 1,29 Euro (Zutaten inclusive Herstellung, Verpackung, Transport, Einräumen in die Regale, Liegedauer im Regal, der netten Dame an der Kasse etc.) erwerben, können wir uns sehr glücklich schätzen, wenn wir „nur“ ein Pferd darin finden. Immerhin ist Pferdefleisch per se nicht schädlich. Frank Tormann, Pferdeschlachter in Bremen, erklärt uns über die dpa: „Pferdefleisch ist sehr eiweißreich, sehr mager und hat wenig Cholesterin.“ Er ist der Ansicht, dass in diesem Fall weniger ein Fleischskandal, denn ein Etikettenschwindel vorliegt.
Dem schließe ich mich dann doch gerne an. Allerdings kaufen und essen viele täglich Produkte, die nicht das sind, was draufsteht. Schokoladenpuddig, der eigentlich eine undefinierbare Pampe mit lt. Lebensmittelverordnung „mindestens 1,5% Kakao“ ist. Wissenschaftler haben herausgefunden, wie aus Federkielen so etwas wie Quark hergestellt werden kann, das uns dann als „Quarkerzeugnis“ verkauft wird. Erdbeerstückchen im Joghurt werden t.w. aus Holzverarbeitungsresten und ein paar chemischen Zusatzstoffen hergestellt. Das Pferd in der Lasagne ist also überhaupt kein neues Phänomen. Nur eben eines, das sich gut verkaufen lässt.

Der eigentliche Skandal (wobei hier der Begriff Diskussionspunkt passender erscheint) liegt darin begründet, dass nicht draufsteht, was drin ist. Ansonsten könnten wir Konsumenten ja durchaus selbst entscheiden, ob wir das Pferdchen essen möchten, oder lieber nicht.

Meine Empfehlung: gehen Sie doch öfter auf den Wochenmarkt, zum lokalen Metzger, zum Hofmarkt nebenan und kochen Sie Ihre Lasagne aus frischen Zutaten selbst. Und seien Sie bereit, für Lebensmittel einen fairen Preis zu bezahlen. Dann erledigt sich das Pferd in der Lasagne ganz von selbst.

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